Die Initiative Carolabrücke unterstützt Team Grassl

Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten

Als unabhängige Initiative, die sich für einen Wiederaufbau der Carolabrücke nach historischem Vorbild von 1895 einsetzt, haben wir die aktuellen Entwürfe der vier Planungsteams nach unseren eigenen Kriterien bewertet, die eine zukunftsfähige Anlehnung an das historische Vorbild von 1895 ins Zentrum rücken. Wir halten die neue Carolabrücke des Teams um Ingenieurbüro Grassl für die Elbquerung, welche den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach einer geschichtsbewussten Architektur am konsequentesten aufgreift und zugleich die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Konstruktion bietet. Wir erläutern euch gern, warum der Entwurf dieses Planungsteams die Unterstützung der Dresdnerinnen und Dresdner verdient:

Das Team

Ingenieurbüro Grassl – Familienunternehmen mit 270 Angestellten, langjähriger Erfahrung im Brückenbau in Deutschland und einem Leistungsspektrum von Planung bis zur Prüfung, Begutachtung und Baumanagement. Bekannt ist Grassl z.B. für den Neubau zweier historisierender Brücken an der Museumsinsel Berlin (Monbijou- und Friedrichsbrücke)

GMP – Architekturbüro mit ca. 500 Mitarbeitern, bekannt für große und ambitionierte Projekte wie den Berliner Hauptbahnhof, Hamburger Kibbelsteg-Brücke (angelehnt an historische Brücken des 19. und 20. Jhd.) und die Ausführungsplanung des Berliner Schlosses.

Jordi Keller Pellnitz Architekten – Spezialisten für städtebauliche, architektonische und denkmalpflegerische Projekte. Das Büro erhielt den 2. Platz für ihren Entwurf der Gestaltung des Neustädter Marktes in Dresden und beteiligte sich an der Rekonstruktion der Schlosskirche Berlin-Buch.

Vössing Ingenieure – übernehmen die Verkehrsplanung im Team Grassl und gehören zu den führenden Ingenieurbüros mit Schwerpunkt Infrastruktur.

Team Grassl und das historische Vorbild (1895)

Hermann Klette, Oberbaurat und Planer der ersten Carolabrücke erkannte bereits Ende des 19. Jahrhunderts die kultur- sowie architekturhistorische Bedeutung des Ortes, an dem 1895 die neue Elbquerung entstehen sollte. Gemeinsam mit seinen Kollegen passte er sie optisch der Tradition des Dresdner Barocks an, welche die Stadtsilhouette mit der Frauenkirche schon damals verkörperte. Gerade die harmonische Einfügung ins Stadtbild sorgte dafür, dass die Königin-Carola-Brücke in überregionalen Zeitschriften gelobt und auf Postkarten in eine Reihe mit den namhaftesten Dresdner Sehenswürdigkeiten gestellt wurde. Auch die Ausschreibung des Jahres 2025, auf die sich das Team um Büro Grassl bewarb, betont die Bedeutung der harmonischen Einfügung der neuen Brücke in das historische Stadtbild. Das Team Grassl greift in seinem Entwurf grundlegende Elemente der ersten Carolabrücke auf, die schon damals den ästhetischen Anspruch nach Harmonie und Historie erfolgreich erfüllten. Darüber hinaus ist das Team für weitere historisierende Ergänzungen und Anpassungen offen, die dieses historische Vorbild achten.

"Der Reiz dieser Aufgabe lag im Besonderen darin, dass den Rücksichten, zu denen die ausgezeichnete Lage |...] nöthigte, im weitesten Maße Rechnung getragen werden musste. Auf der einen Seite die Brühl'sche Terrasse, über welche die Kuppel der Frauenkirche mächtig emporragt [...], stromaufwärts die stattliche Albertbrücke, über die hinaus der Blick in die den Fluss begrenzenden grünen Berggelände bis tief in die „Dresdener Haide" taucht, stromabwärts der wuchtige Bau der Augustusbrücke und dahinter die die Stadt beherrschenden Thürme der katholischen Hofkirche und des Schlosses, das Museum und das Theater und zwischen diesen hindurch die blauenden Berge des Meißner Hochlandes - in der That eine Lage, wie sie bevorzugter kaum gedacht werden kann."
Hermann Klette, Oberbaurat, 1897
Das schreibt Klette über die Bedeutung der Umgebung für die Planung der ersten Carolabrücke. Team Grassl knüpft an Klettes Lösungen produktiv an.
Die Postkarte von ca. 1905 stellt die Carolabrücke in eine Reihe mit dem Theaterplatz und Zwinger. Die neue Brücke gilt als charakteristisch für Dresden, stadtbildprägend und beliebt.
Wie ihre Vorgängerin (siehe Postkarte) ermöglicht die Brücke des Team Grassl einen Blick auf die Elblandschaft von der Brühlschen Terrasse. Neben dem Blick auf die Altstadtsilhouette ist auch dieser ein wichtiger Bezugspunkt für die Wahrnehmung des Zusammenspiels von Natur und Architektur in Dresden. Diese kulturhistorisch bedeutende und bewahrenswerte Perspektive auf die erste Carolabrücke wurde ebenfalls künstlerisch verarbeitet, so z.B. von Gotthardt Kuehl. Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten.

Konstruktion als Bogenbrücke

Die Bogenbrücke ist eine ingenieurtechnische Leistung des antiken Roms, die sich überall in Europa verbreitete. Im Verlauf der gesamten europäischen Kulturgeschichte entstanden Bogenbrücken, schlicht und prachtvoll, verziert mit Kanzeln, Aufbauten, Statuen und Reliefs. Die Bögen sorgten für eine optimale Verteilung der Kräfte im Bauwerk, welche die jahrhunderte- und jahrtausendealten Brücken in Rom, Florenz, Prag, Trier, Nürnberg und Regensburg noch heute bezeugen. Auch die Dresdner bauten im Hochmittelalter eine Bogenbrücke, die um 1910 in historisierender Form und unter Berufung auf das bewährte Konstruktionsprinzip wiedererrichtet wurde. Wir kennen und schätzen sie als die heutige Augustusbrücke. Im 19. Jahrhundert entstanden die Marien- und die Albertbrücke, ebenfalls als dresdentypische Bogenkonstruktionen. Die Königin-Carola-Brücke knüpfte an diese Tradition mit zwei Innovationen an: Die für ihre Zeit großen Spannweiten von ca. 60 m und die sichtbare Eingliederung des Stahlfachwerks in ihre Ästhetik. Trotz der aktuellen Vorgabe noch größerer Spannweiten greift nun auch Büro Grassl auf die Bogenform zurück, die sich zugleich als historisch und zeitlos erweist. Im Zusammenspiel mit den Pfeilern, die sich ebenfalls an die historische Form anlehnen, bilden die schlichten Bögen einen angenehmen Rhythmus und unterstreichen die Stadtsilhouette statt sich dem Betrachter aufzudrängen. So war es auch von Klette gedacht.

Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten
Königin-Carola-Brücke auf einer historischen Postkarte. Blick von der Neustädter Seite. Private Kollektion.

Die Materialien

Die Materialkombination der Königin-Carola-Brücke wies sie als eine Architektur aus, die um 1900 Geschichtsbewusstsein und Modernität miteinander zu verbinden wusste. Sandsteinverkleidungen der Flutbrücken am Ufer würdigten eine lebendige Dresdner Bautradition, das Stahlfachwerk der drei großen Bögen über der Elbe betonte das Selbstbewusstsein einer durch Industrialisierung, wissenschaftlich-technische Innovation und nicht zuletzt auch die Metallverarbeitung geprägten deutschen Gesellschaft. Das Zusammenspiel von Sandstein und Stahl wurde bald zur Besonderheit der ersten Carolabrücke in der Dresdner Innenstadt, das für Besucher und Beobachter durchaus von Interesse war. Durch eine hellbronzefarbene Beschichtung der Bögen und die Verwendung von Sandsteintexturen an den Pfeilern knüpft Büro Grassl an dieses Spezifikum der ersten Carolabrücke an und schreibt die Dresdner Brückenbaugeschichte weiter, statt sie aus dem Nichts neu zu konstruieren.

Hans Poelzig (1869-1936), Elbbrücke, Dresden: Ansicht. Foto auf Karton, 28,00 x 46,00 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 2747.
Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten

Kanzeln und Pfeiler

Spätestens seit der Renaissance verfügten Brücken über Kanzeln: Wie in unserem Aufsatz herausgestellt, sind diese begehbaren, balkonartigen Abschlüsse von Brückenpfeilern wichtige Strukturelemente der Brücken. Sie bestimmen die Position, von der wir einen Blick auf die Stadt werfen und beeinflussen damit, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Sie verleihen den Brücken eine harmonische Gliederung und bieten Raum für Kunstwerke, an denen wir auf unserem Weg durch die Stadt innehalten können. Hermann Klette integriert die Kanzel ganz bewusst in die Konstruktion der ersten Carolabrücke und ermöglicht den Dresdnerinnen und Dresdnern die Entdeckung eines neuen Elbblicks, den wir seit 1895 bis heute kennen und schätzen. Büro Grassl schreibt die Tradition fort, indem es großzügige Kanzeln über den Pfeilern vorsieht. Wie auch damals laden sie zum Verweilen ein, verleihen der langen Brücke einen menschlichen Maßstab durch Abwechslung und Unterteilung der langen Flussquerung und würdigen den Elbblick mit dem Rückgriff auf eine bewährte architektonische Bedingung des Betrachtens.

Büro Grassl entwickelt die Pfeiler und Kanzeln nach dem historischen Vorbild. Wie bei der ersten Carolabrücke wirken Kanzeln als natürlicher Abschluss der Pfeiler, die auch ihrerseits zur harmonischen Wirkung und historischen Identität der Brücke beitragen. Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten.
Die Kanzeln des Büro Grassl sorgen für Aufenthaltsqualität und ermöglichen einen Ausblick auf die berühmte Stadtsilhouette. Möglich bleiben historisierende Anpassungen ihrer Gestalt. Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten.
Bald nach ihrer Fertigstellung bot die erste Carolabrücke einen Ausblick auf die Altstadt, die die Dresdnerinnen und Dresdner für sich entdeckten. Die Kanzel bot ihnen dabei die optimale Möglichkeit, diese Aussicht zu genießen. Deutsche Fotothek / Johannes Müller
Der Elbblick: Bis heute im kollektiven Gedächtnis mit der Carolabrücke verbunden. Die Brücke des Teams Grassl bietet nun die Möglichkeit, diese Aussicht wie 1895 von den Kanzeln in Ruhe zu betrachten. Bild: pixabay.

Impulse für die Pirnaische Vorstadt

Der Entwurf des Teams um Grassl sieht die Wiederherstellung des Elbbergs und des historischen Elbgässchens vor, die Einbindung der Figuren ruhige und bewegte Elbe in die Umgestaltung des Rathenauplatzes, die Offenlegung des Kaitzbachs und die verstärkte Anbindung des Promenadenrings an das Elbufer. Damit weist der Städtebau um Grassls Carolabrücke historische Bezüge auf, die den Auftakt zu einer weiteren Gestaltung des Areals nach dem Vorbild der historischen Situation vor 1945 bieten können. Wie unsere Recherchen zeigen, hat die Pirnaische Vorstadt eine wechselvolle Geschichte und ist für die Entwicklung der Dresdner Kultur- und Architekturlandschaft von hoher Bedeutung. Um diese in unserer Gegenwart langfristig wieder erlebbar zu machen, unterstützen wir auch die städtebaulichen Überlegungen des Büros Jordi Keller Pellnitz, die mit den historischen Bezügen der Brücke des Planungsteams korrespondieren.

Das Venezianische Haus (1845) direkt an der ersten Carolabrücke ist ein Zeugnis bildungsbürgerlicher kreativer Auseinandersetzung mit der Architektur venezianischer Palais sowie den städtebaulichen Ambitionen Augusts des Starken. Es ist ein markantes Zeugnis der Vielfalt unserer Stadtgeschichte und kultureller Verflechtung. Die Wiederherstellung des Elbbergs im Entwurf des Team Grassl schafft eine wichtige Voraussetzung für seine Rekonstruktion am ursprünglichen Standort.

Fortsetzung des Dialogs: Historisierende Ergänzungen

Das Team um Büro Grassl erklärte, den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern auch in weiteren Planungsphasen fortführen zu wollen und den Wunsch der Stadtgesellschaft nach einer geschichtsbewussten Architektur zu berücksichtigen. Weil das Büro wichtige Merkmale der Königin-Carola-Brücke (1895) bereits aufnimmt, lassen sich historisierende Anpassungen – Detaillierung, Laternen, Uhr- und Wettertürmchen, bildende Kunst – leicht vornehmen.

Zugleich liegen einige historisierende Ergänzungen wie z.B. Plastiken sowie Uhr- und Wettertürmchen im Verantwortungsbereich der Stadt. Umso wichtiger ist unsere Petition, die den Stadtrat auffordert, eine historisierende Gestaltung für die Detailplanung der dritten Carolabrücke verbindlich festzulegen. Jede Unterschrift hilft, unser Ziel voranzubringen: Hier geht’s zur Petition.

Laternen und Geländer der ersten Carolabrücke, die im Entwurf von Grassl Platz finden können. Bildnachweis: Deutsche Fotothek / Heinz Märker
So könnten historisierende Elemente an einer neuen Carolabrücke aussehen (KI auf Grundlage historischer Fotografien).

Wirtschaftlichkeit

Von allen vier Entwürfen ist die Brücke von Grassl die wirtschaftlichste. Sie ist am leichtesten umsetzbar, am günstigsten und wartungsfreundlichsten. Die Vorfertigung großer Bestandteile der Konstruktion sorgen für eine verkürzte und vereinfachte Bauzeit vor Ort. Die Einfachheit des Tragwerks aus Stahlkästen bietet einen problemlosen Zugriff auf alle Bestandteile der Brücke, um Wartungsarbeiten durchzuführen. Das flexible Tragwerkskonzept ermöglicht spätere Anpassungen der Brückenbreite an die Erfordernisse der Zukunft und zeichnet die Elbquerung so als besonders nachhaltig aus. Alle Anforderungen an einen Ersatzneubau werden im Entwurf eingehalten, sodass die Genehmigungsfähigkeit garantiert und mit dem Bau zügig begonnen werden kann.

Herzlich willkommen

..auf der Website der Initiative Carolabrücke!

Wir sind ein Zusammenschluss von Dresdnerinnen und Dresdnern sowie Unterstützern aus ganz Deutschland, die eines vereint: wir möchten die historische Carolabrücke neu denken – als nachhaltige, ästhetisch ansprechende und zukunftsfähige Elbquerung, die unseren Stadtraum bereichert statt ihn zu zerschneiden.

Auf dieser Seite finden Sie alle aktuellen Informationen zu unseren Zielen, Aktionen und Terminen. Wir freuen uns über jedes Engagement – sei es durch tatkräftige Mithilfe, kreative Ideen oder einfaches Weitersagen unseres Anliegens.


Über uns

Wir verstehen uns als überparteiliche und unabhängige Initiative, die den Brückenneubau an der Stelle der eingestürzten Carolabrücke zum Anlass nimmt, Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren und Dresdens städtebauliches Potenzial voll auszuschöpfen.

Den Kern unseres Engagements bilden Menschen, die die historischen Qualitäten Dresdens schätzen, aber genauso an einer zeitgemäßen, verkehrstechnisch sinnvollen und nachhaltigen Lösung interessiert sind. Die Carolabrücke soll künftig nicht nur eine Verkehrsverbindung sein, sondern auch als ästhetischer und langlebiger Teil des Dresdner Stadtbildes überzeugen.

Mehr zu uns hier: Über uns.


Das Aktionsprogramm Carolabrücke

Das Aktionsprogramm Carolabrücke verfolgt sieben Entwicklungsziele für ein historisch verträgliches und zukunftsfähiges Bauwerk. Mit einer überparteilichen Initiative fordern wir eine faire Diskussion, bei der Öffentlichkeit und Akteure aktiv eingebunden werden, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Eine Notbrücke und zügige Planverfahren sollen schnelle Ergebnisse sichern und Erkenntnisse für eine neue, langlebige Brücke liefern. Investitionen in Qualität und innovative Finanzierungsmodelle, wie Stadtanleihen oder Spendenkampagnen, setzen auf wirtschaftliche Vernunft und binden Bürger sowie Fördermittel ein. Unser Ziel ist eine Brücke, die das Stadtbild harmonisch ergänzt, Tradition und Moderne vereint und durch nachhaltige Planung eine lebenswerte Umgebung schafft – ein Geschenk an Dresden und kommende Generationen.

Mehr zu unserem Program hier: Aktionsprogramm Carolabrücke.


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Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihren Einsatz! Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen Dresdens Elblandschaft zum Positiven zu verändern.

Initiative Carolabrücke