Die wichtigste Erkenntnis aus der letzten Sitzung des Bau-Ausschusses
lautet: alle Entwürfe sind umsetzbar. Auch der Entwurf, welcher dem
Expertengremium am wenigsten gefiel, ist laut Jury-Leiter Prof. Marx
„ein sehr guter Brückenentwurf“ und „technisch überzeugend“. Die
Dresdnerinnen und Dresdner können sich also völlig frei fühlen,
ihre Stimme nach eigenem Urteil abzugeben.
Das neunköpfige Gremium fand nach eigener Aussage „aufgelöste
Pfeiler wichtiger als den Bezug zur Historie“. Dies sei eine
Entscheidung, „was man will“, keine Frage der technischen Vor- und
Nachteile. Das Expertengremium übersieht dabei, wie wichtig den
Dresdnern der Bezug zur Historie ist.
Nach dem Bewertungsmaßstab der Jury wäre die Augustusbrücke
„falsch“. Diese Brücke ist das Gegenteil von Transparenz, aber
selbstverständlicher Teil des Stadtbildes. Sie fügt sich so gut ein,
weil man sie 1910 zwar neu baute, jedoch nach historischem Vorbild.
Die Carolabrücke wird bereits aufgrund ihrer enormen Spannweiten viel
mehr Durchblick bieten als die benachbarten Brücken. Anders als der
selten eingenommene Blickwinkel, der von der Jury herausgestellt
wurde, sind viele andere Sichtbeziehungen auf die Brücke und von der
Brücke viel wichtiger.
Unverständlich ist auch, wie willkürlich die Jury die Entwürfe auf
„Transparenz“ prüfte. So hinderte die Überhöhe des Entwurfes von
FHECOR sie nicht, deren Beitrag gut zu prämieren. 2,5 Meter
Überhöhe werden den Blick vom Brühlschen Garten auf die Elbhänge
deutlich beschneiden (siehe Bild 1). Auch deren zusätzliches
Pfeilerpaar schränkt die Transparenz der Brücke aus einer größeren
Zahl von Perspektiven ein, als es längliche Pfeiler tun. Nur auf
einen einzigen Blickwinkel abzuheben, ermöglicht keinen objektiven
Vergleich. Die Stadt Dresden hat vorab leider keine exakten
Standpunkte für die Visualisierungen vorgegeben, wie es bei
Wettbewerben Standard ist.
Transparenz halten wir vor allem bei der Informationspolitik für
wichtig. Laut Aussage von Herrn Kühn konnte die Ausschusssitzung
„aufgrund der Haushaltslage“ nicht per Livestream übertragen werden.
Die Initiative Carolabrücke stellt deshalb auf ihrer Internetseite
ein Protokoll zur Verfügung: https://initiative-carolabruecke.de/2026/06/12/protokoll-der-29-sitzung-des-ausschusses-fuer-stadtentwicklung-bau-verkehr-und-liegenschaften-am-10-06-2026/
Nach sorgfältiger Abwägung aller Aspekte, sowohl der Gestaltung als
auch der Wirtschaftlichkeit, Langlebigkeit, Verkehrsführung und des
Städtebaus, unterstützt die Initiative Carolabrücke den Entwurf des
Teams um Ingenieurbüro GRASSL. Dieses Team hat die Anregungen der
Bürgerbeteiligung am konsequentesten umgesetzt und einen technisch
einfachen, flexiblen und nachhaltigen Entwurf vorgelegt. Die
auffälligen technischen Unterschiede zu den anderen Brücken hat die
Jury leider nicht herausgearbeitet.
Zudem bietet dieser Entwurf die meisten Anknüpfungspunkte für
Detailgestaltungen nach historischem Vorbild. Das Team um GRASSL hat
sich bereiterklärt, für die weitere Planung im Dialog zu bleiben und
ist offen dafür, historische Bezüge im weiteren Prozess zu
integrieren. Auch der Städtebau der angrenzenden Plätze ist am
besten durchdacht. So würde das Venezianische Haus zusammen mit dem
Elbberg wieder ein eindrucksvolles Ensemble bilden können.
Hervorzuheben ist die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes. Schon der
Blick auf die Querschnitte zeigt es: Die Brücke des Teams GRASSL ist
mit deutlich geringerem Aufwand umsetzbar und wartungsfreundlicher.
Um der Forderung nach einer Integration historischer Details in der
kommenden Planung Nachdruck zu verleihen, hat die Initiative eine neue
Petition gestartet. Diese Forderung gilt unabhängig davon, welcher
Entwurf vom Stadtrat beauftragt wird:
Link: https://c.org/59wwyz77BT
Anhänge
Bild 1: Markierung einer um 2,5 Meter erhöhten Brücke (ohne
Geländer!), wie beim Entwurf von FHECOR vorgesehen. Maßstab sind die
100 cm hohen Absperrungen, die auf dem Foto auf der Brücke zu sehen
sind. Der Blick auf die Elbhänge vom Brühlschen Garten aus würde
endgültig abgeschnitten. Urheber: Christian Gebhardt,
Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0, Markierung durch Initiative
Carolabrücke e. V.
Bild 2: Collage mit historischen Details, die in ähnlicher Form auf
die neue Brücke zurückfinden sollen. Initiative Carolabrücke e. V.
Bild 3: Deutlichere Hervorhebung des Bogen-Pfeiler-Wechsels im Entwurf
GRASSL und Ergänzung klassischer Gestaltungsdetails wie
Sandsteinbrüstungen und Gesimse. Diskussionsbeitrag der Initiative
Carolabrücke e. V. mit Genehmigung durch Ingenieurbüro GRASSL und
gmp.


