Die Initiative Carolabrücke e. V. gratuliert den Planerteams der Entwürfe, die bei „carolaVOTE“ die ersten beiden Plätze belegt haben. Festzuhalten bleibt, dass keiner der Entwürfe die Stimmenzahl erreicht hat, welche die Petitionen für den Wiederaufbau nach historischem Vorbild erlangten.
Weiterlesen: Pressemitteilung: Ergebnis von „carolaVOTE“Das ist umso relevanter, da die Petitionen unter Angabe von Name und Anschrift gezeichnet wurden. Zum Vergleich: Für eine Brücke nach historischem Vorbild wurden allein bei der Petitionsplattform der Landeshauptstadt 8.432 Stimmen abgegeben, auf Chance.org über 16.100. Bei carolaVOTE haben 9.837 Menschen FHECOR als ihren Favoriten angegeben, bei LAP waren es 8.283 Stimmen – bestenfalls halb so viele Stimmen wie sich für das Vorbild der originalen Königin-Carola-Brücke ausgesprochen haben.
Deshalb erneuert die Initiative Carolabrücke ihre Forderung, zumindest einzelne historische Elemente in der kommenden Detailplanung zu berücksichtigen. Ergänzungen der historischen Wettertürmchen, Geländer, Brüstungen und Laternen lassen sich problemlos verwirklichen. Auch das Venezianische Haus soll seinen Platz wieder finden können.
Um den Auftrag des Stadtrates vom Juni 2025 in möglichst vielen Punkten zu erfüllen und Wünsche, die nun doch erlaubt sein sollen – etwa zusätzliche Pfeiler – neu aufzunehmen, ist auch eine Kombination verschiedener Entwürfe denkbar. Eine solche Kombination hat der Stadtrat beispielsweise beim Wettbewerb für das Königsufer beschlossen. Es sollten nun rasch Gespräche mit den Planungsteams aufgenommen werden, um auszuloten, bei welchen Aspekten sich ein solches Vorgehen realisieren lässt.
Genehmigungsrisiken und unzureichende Visualisierungen zu thematisieren, war richtig. Baubürgermeister Stephan Kühn nennt diese durchweg sachbezogenen Diskussionsbeiträge der Initiative Carolabrücke e. V. „unschöne Momente“ und „Störfeuer“. Es bleibt die Frage, ob er demokratische Beteiligung nur dann wertschätzt, wenn sie bequem ist. Die Stadtverwaltung und auch Herr Kühn selbst haben es leider versäumt, zu diesen Themen plausibel aufzuklären. Zum Beispiel sagte Herr Kühn am 15.07.2026 in der Sächsischen Zeitung: „Wenn die Änderung der Gradiente technisch begründet ist und keine rein gestalterischen Gründe vorliegen, sehen wir nicht, dass ein Planfeststellungsverfahren notwendig ist.“ Unklar bleibt weiterhin, weshalb fast 5% Steigung einer um ein Fünftel höheren Brücke oder auch ein zusätzlicher Pfeiler nicht nur gestalterisch, sondern auch technisch begründet sein sollten. Präzise Rückfragen der Initiative lässt Herr Kühn bis dato unbeantwortet. Ein Erfolg der Initiative ist jedoch, dass TSSB eine Absenkung der Brückenhöhe angekündigt hat. Doch die angebotenen rund 100 cm reichen noch nicht aus, um der Barrierefreiheit [DIN 18040] und den Sichtbeziehungen gerecht zu werden.
Beim Entwurf von LAP sind besonders die aufgefächerten Auffahrten problematisch. Auch die Busgarage auf Altstadtseite, die viel zu klein ist, um den bestehenden Parkplatz zu ersetzen, sollte überprüft werden. Die von LAP angebotene Alternative, an der Stelle einen Erdhügel aufzuschütten, lehnt die Initiative Carolabrücke e. V. ebenfalls ab. Ein Bau der Brücke in voller Länge gefährdet bei LAP jedoch die Kostenobergrenze.
Unaufgeklärt bleibt weiterhin, mit welcher Begründung die Kostenschätzung des Teams um GRASSL angegriffen wurde. Als einziges Büro hat GRASSL die Kosten nicht pauschal auf die Brückenfläche hochgerechnet, sondern für alle Bauteile einzeln berechnet und mit Referenzen hinterlegt, vom Stahl bis zum Farbanstrich. Die von Prof. Marx explizit als zu günstig kritisierten Positionen der Landschaftsgestaltung und der Gleise sind für den Gesamtpreis unerheblich. Die Initiative Carolabrücke e. V. fordert den Stadtrat auf, gemäß seiner Verantwortung für den städtischen Haushalt das Kostenthema genau zu prüfen. Dazu zählt auch der Aufwand für die Instandhaltung der Brücke.
Anhang
- Bild 1: Stimmenvergleich, Grafik Initiative Carolabrücke e. V. Es wurde nur die stimmenstärkste Petition dargestellt, hinzu kommen noch Petitionen auf dresden.de (Unterzeichner: 8432) und OpenPetition(Unterzeichner: 2755).
- Bild 2: Sandstein-Brüstung der historischen Carolabrücke, Initiative Carolabrücke e. V.
- Bild 3: Entwurfsplanung der historischen Carolabrücke, Stadtarchiv Dresden, Foto Initiative Carolabrücke e. V.


