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  • Protokoll der 29. Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften am 10.06.2026

    • Tagesordnungspunkt Ö 1 Wiederaufbau Carolabrücke – Informationen zu den Ergebnissen der Fachexpertensitzung am 5. Juni 2026
    • Mitschrift: Initiative Carolabrücke

    Vortrag Prof. Steffen Marx

    • Expertengremium lobt Verfahren und Bürgerbeteiligung – ggf. wegweisend für zukünftige Projekte
    • LHD, Sachsen Energe und DVB sind gemeinsam „in der Bauherrenrolle“
    • jeder Entwurf ist baubar
    • einstimmiges Vorum bzgl. Reihenfolge

    Beschreibung der Entwürfe

    FHECOR

    • interpretiert Bogenmotiv der Dresdner Brückenfamilie „modern“, „markant“, „schön“
    • ist konstruktiv kein Bogen, sondern sog. Sprengwerk
    • zusätzlicher Pfeiler aus Sicht der Jury möglich, im Detail:
      • Vorabstimungen haben stattgefunden
      • noch keine endgültige Entscheidung
      • planungsrechtliche Risiken aus Sicht von LHD und Jury „beherrschbar“
    • gilt auch für Überhöhung der Gradiente von 2,5 m
      • entsteht durch Ausbildung von Bögen bei Einhaltung des Schifffahrtsprofils
      • 2 andere Entwürfe sind ebenfalls höher (allerdings geringfügiger)
      • Frage bei Höhenüberschreitung ist „Wollen wir das?“
      • Verletzung des Schifffahrtsprofils wäre hingegen Ausschlusskriterium
    • Sprengwerk/Bogen wäre schlank baubar
      • einheitliche Spannweite benachbarter Felder statisch zu bevorzugen wegen Lasteintrags in Kämpfer/Pfeiler (horizontal)
        • größere Spannweite bedeutet quadratische Erhöhung des Krafteintrags – bei doppelter Spannweite 4fach größere Last als auf gegenüberliegender Pfeilerseite
        • dadurch aufwändigere Gründung notwendig (Steigerung der Kosten)
    • aufgelöste Pfeilerscheiben (Abweichung von Dresdner Brückenfamilie)
      • Jury bildete Gruppen und wählte „besseren“ innerhalb der Gruppe aus (hier: Pfeilerscheiben vs. aufgelöste einzelne Pfeiler)
      • Auswirkungen auf Stadtbild wg. Sichtbarkeit von unten wird als besonders wichtig betrachtet – aufgelöste Pfeiler „vorteilhaft“
    • Kanzeln/Pfeilerpositionen auf der Brücke nur angedeutet erkennbar
    • schmalster Entwurf
      • problematisch bzgl. Oberleitungsmasten, die an den Rändern stehen müssten mit Querfeld-Abspannung
      • Empfehlung, lieber etwas breiter, um Platz für Pfeiler an Straßenbahntrasse zu erhalten (Einsparung Instandhaltungskosten bzgl. Oberleitung)
    • doppelt die Straßenbahntrasse kreuzender Radweg

    Grassl

    • sehr ähnlich FHECOR
    • Sprengwerk statt Bögen
    • aufwändige Pfeiler wegen Kraftabtrag notwendig
    • orientiert sich an historischen Brücken (bzgl. Pfeiler, Kanzeln)
    • 47 Meter breite Pfeiler
    • Jury findet aufgelöste Pfeiler wichtiger als Bezug zur Historie – dies sei eine Entscheidung, „was man will“, keine technischen Vor-/Nachteile
    • gut geplant für Wartung/Instandhaltung
    • Vorteil einer teilweisen/früheren Inbetriebnahme durch separate Brückenzüge
    • visualisiertes Geländer nicht zulässig, Wirkung wäre dann anders
    • „sehr mächtiges Bauwerk“
    • ca. 0,5 Meter über Höhengradiente

    Schüßler-Plan

    • am engsten an eingestürzter Carolabrücke orientierter Entwurf
    • Spielraum für Ersatzneubau wird von Jury allerdings erheblich größer eingeschätzt, als dieser Entwurf; „Ersatz“ bezieht die Jury vorwiegend auf den über die Brücke zu führenden Verkehr
    • Durchlaufträger statt Bögen (wie eingestürzte Brücke)
    • „bautechnologisch gut“
    • über Mittelpfeiler gebe es eine „Auflösung“, um die Massivität „herauszunehmen“ (?)
    • instandhaltungsmäßig der beste Entwurf
    • „Anmutung einer Autobahnbrücke“ – nicht das Richtige für die Innenstadt; wie eingestürzte Brücke Symbol für autogerechte Stadt, nicht mehr zeitgemäß
    • Pfeilerscheiben als Entwurfsmotiv – Jury findet diese zu massiv

    LAP

    • Durchlaufträger, aber mehr Bezug zu historischer Bogenkonstellation
    • damit nicht zu massiv, Netzgitter über Pfeiler „sehr feingliedrig“/filigran – damit aber wartungsintensiv; Jury empfiehlt Überarbeitung dahingehend, ohne die Gestaltungsidee aufzugeben
    • sehr gute Umsetzung der Anforderungen
    • höchste Kosten (aber „nominalisiert“, Kostenschätzung unter Berücksichtigung der Preisentwicklung in den nächsten 5 Jahren)
    • Busgarage und Einbauten auf Neustädter Seite seien kostenmäßig „zusätzlich“ und werde als Einsparpotential gesehen
    • „Stadtbalkon“ ausgeprägt und deutlich
    • starke Ausrichtung in Richtung stromabwärts (zur Altstadtsilhouette hin)
    • Anschluss der Elbufer „ganz hervorragend“, „sehr gut durchdacht“
    • 0,5 Meter über Höhengradiente

    Jurybewertung/Kriterien

    • Gradientenüberhöhung nicht so relevant laut Jury; Visualisierung im Vergleich sei kaum unterscheidbar bei Blick von Albertbrücke
    • 3 „Bogen“-Brücken ungefähr gleicher Preis, Schüßler-Plan günstiger
    • breite Pfeiler bei Grassl: wäre genehmigungsfähig, also nur Ablehnung aufgrund visueller Wirkung unter der Brücke
    • LAP „absolut wichtig“ sei Pfeilerauflösung, „durchgehende Pfeilerscheibe“ sei „falsch“
    • FHECOR „leichteste Anmutung“, „dominant“, „mächtig“ bzgl. Eigenwirkung „tolle Formensprache“, „zu knackig“, „nah dran an Platz 1“
    • Grassl dennoch „sehr guter Brückenwntwurf“, „technisch überzeugend“
    • Kosten:
      • Jury aus Erfahrung: Schüßler-Plan ca. 10 Mio. Euro günstiger (nur grober Wert); alle anderen Entwürfe an der gesetzten Obergrenze von 140 Mio. Euro
      • Appell an Stadtrat: „gucken, was wir brauchen“

    Rückfragen der Ausschussmitglieder

    • Kempe-Gebert (CDU):
      • kritisiert Verschwiegenheitspolitik und stückweise Veröffentlichung durch Verwaltung
      • Barrierefreiheit wichtig (Rollstuhlfahrer und Rollatoren)
      • Bauzeit/Ablauf?
      • Wartung beweglicher Lager (LAP)?
      • warum verschiedene Pfeilergrößen und Asymmetrie bei LAP?
    • Probst (FDP/FB):
      • Radfahrer zwischen Straßenbahn und KfZ-SPuren problematisch?
      • Venezianisches Haus/Quartier (bzgl. alle Entwürfe)?
    • Zastrow (Team Zastrow):
      • alles besser als eingestürzte Brücke, erwartet daher keine Spaltung der Stadt
      • FHECOR oder LAP werde es „sicher“ werden
      • LAP Beleuchtung überhaupt möglich (Beleuchtung anderer Brücken würde nachts abgeschaltet) – Effekt verloren?
      • LAP bzgl. Tauben und Sauberkeit hinter Vergitterungen?
      • Stadtbalkon bei LAP: wie wird Aufenthaltsqualität sichergestellt?
        • Radfahrer „nehmen sich jeden Raum“
        • nur für „paar Schnorrer, die kostenlos Roland Kaiser gucken“
      • LAP asymmetrische Pfeilerbreiten?
      • Steg Brühlsche Terrasse (wie Studentenentwurf – „Brühlscher Link“) gut für Aufenthaltsqualität
    • Ladzinski (AfD):
      • Einrodnung der Baukosten gut, damit Bürgerbeteiligung nicht nach Kosten geht
      • FHECOR: breiter wg. Oberleitungsmasten vs. breiter = teurer – Widerspruch?
      • Krafteinleitungsproblematik bei unterschiedlichen Spannweiten bei LAP kein Problem?
    • Deppe (Grüne):
      • Anschlussbeziehungen Straße und Elbufer?
    • Engel (SPD):
      • schräges Licht auf Grassl wg. als fragwürdig eingeschätzter Kostenkalkulation
      • Breite der Brücke (bzgl. Spuren) bei allen Entwürfen gleich relevant bzgl. Kosten?
      • Schreiben der LHD an Entwurfsverfasser (auf Nachfragen) 3 Monate nach Beauftragung, dass das Gutachten bzgl. zusätzlicher Pfeiler zu beachten sei – schwierig für Vergleichbarkeit, wenn jetzt plötzlich kein Problem mehr
      • veränderte Höhenlage sei nach Schreiben/Gutachten auch eine „wesentliche Änderung“ und damit ggf. planfeststellungspflichtig, wenn nur aus gestalterischen Gründen (was bei FHECOR der Fall sei)
    • Schulte-Wissermann (PVP):
      • Gibt es eine Bewertungsmatrix, damit man seine eigenen Aspekte überprüfen kann?
    • Schollbach (Linke):
      • Nachhaltigkeite bzgl. Wartungskosten bei allen Entwürfen?
    • Böhme (BSW):
      • wie intensiv waren Diskussionen; gab es kontroverse Punkte in der Jury?
      • was wird bzgl. Denkmalschutz an Einwönden zu erwarten sein?
      • wie genau sind Kostendifferenzen einzuschätzen bzgl. 10 Mio. Unterschied?

    Antworten

    • Kühn: „war immer klar, dass nicht alles sofort veröffentlicht wird“
      • ab Tag des offenen Rathauses wird alles, was am 26.05.2026 im Begleitgremium gezeigt wurde, öffentlich
      • 17.05.2026: Planerteams im Stadtforum für Öffentlichkeit; ab 17:30 Uhr Infoveranstaltung mit Livestream
      • heute kein Livestream wegen Haushaltslage
    • Marx:
      • es sei gut, dass nicht alles ohne Jury-Einordnung öffentlich war
      • Büros haben angerufen, weil sie öffentlich angefeindet worden wären bzgl. der veröffentlichten Visualisierungen
      • Barrierefreiheit auch bei 2,5 Meter höherer Brücke gegeben (4,5 % Neigung); niedriger wäre besser, ist aber zulässig
      • Bauzeit: alle Entwürfe mit Standardverfahren baubar – +/- 2 Jahre Bauzeit
        • vorzeitige teilweise Inbetriebnahme nicht möglich bei FHECOR, aber nicht als relevant betrachtet
      • getrennte Brücken wartungsfreundlich (LAP und Schüßler-Plan) – Längsfugen „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ – LAP sei „ausgewogen bzgl. Vor-/Nachteile“
      • Wartung beweglicher Lager sei Standard
        • „semiintegrale Bauweise“ sei wartungsärmer, da ohne bewegliche Lager
        • Lebensdauer beweglicher Lager 20-50 Jahre
        • ohne bewegliche Lager sei Zwangsbeanspruchung höher
        • bewegliche Lager seien nur Detail
      • unterschiedliche Pfeilerbreite bei LAP sei „eben die Konsequenz“ bei gegliederten Tragwerken (wegen Trennung der Brückenzüge)
        • damit „lesbar“, wie das Bauwerk funktioniert
        • bei 2 Spuren weniger gäbe es mehr Symmetrie
      • doppelte Querung der Straßenbahn für Radweg sei verkehrstechnisch „katastrophal“
        • bei FHECOR als Auflage heilbar
      • Radweg zwischen Straßenbahn und KfZ-SPuren sei kein Problem
      • Venezianisches Quartier: bei Entwürfen ohne Auffächerung besser umsetzbar, „mehr Potential“
      • Gitterstruktur bzgl. Tauben: Sprengwerk u. aufgelöste Pfeiler gleiche Problematik – alles aufwändiger in Instandhaltung
        • „da müsste man Schüßler-Plan bauen“, sonst müsse man damit leben
      • Gitterstruktur ohne Beleuchtung kein Problem, aber dann Effekt nachts unsichtbar
      • Gefahr, dass Radfahrer die Promenade nutzen, nicht gegeben, weil doppelte Querung der Straßenbahn notwendig – auf separatem Radweg dagegen nicht
        • Profilierung des Gehwegs oder EInrichtung von Schikanen würden weiterhin unattraktiv für Radfahrer machen
      • Kosten für mehr Breite wegen breitem Fußweg geringer als für mehr Straßenfläche oder Straßenbahntrasse
      • „Brühlscher Link“: hoch attraktiv wg. kürzerer Wege, aber Konflikt mit Denkmalschutz (wäre Abwägungssache)
      • Durchlaufträger (auch bei LAP) erzeugt nur Vertikalkräfte, unterschiedliche Stützweiten daher kein Problem
        • allgemein bei Sprengwekr höhere Aufwendungen für Gründung, aber auch nicht sehr viel („paar Bohrpfähle mehr“)
      • FHECOR geht davon aus, dass Verkehr später umsortiert wird (sehr flexibel bei minimaler Breite)
      • Oberleitungsthema (Masten an Außenseiten der Brücke) nicht gut, FHECOR sollte etwas breiter werden, um Masten direkt neben Straßenbahn einzuordnen – Vorteile bzgl. Instandhaltungskosten überwiegen Kosten für zusätzliche Breite
      • Breitenreduktion bezieht sich auf alle Entwürfe gleichermaßen bzgl. Kosteneinsparung, ca. 40 Mio.
        • Schüßler-Simulation zeigt, dass 2 Spuren reichen, wenn Knotenpunkte ausgebaut
        • lieber über weniger Spuren sprechen als über Breite für Oberleitungsmasten – Appell an Stadtrat aus der Jury, 2 Spuren noch zu ermöglichen
      • zusätzlicher Pfeilerstandort: Aussagen bzgl. Genehmigungsfähigkeit beziehen sich auf Strompfeiler, nicht am Ufer
        • Betroffenheit Privater oder Träger öffentlicher Belange seien nicht ersichtlich – Abstimmung habe im Planungsprozess bereits stattgefunden
        • Risiko bleibt dennoch, auch bei Gradientenfrage
      • keine Bewertungsmatrix, sei aber sinnvoll nachzureichen, auch für Bürgerbeteiligung
      • Instandhaltungskosten allgemein nicht realistisch abschätzbar („wie Zähne putzen“ – könne man mal weglassen, aber nicht dauerhaft)
        • Instandhaltung i. H. v. 0,5-1% der Baukosten jährlich sei vernünftig
      • Jury-Entscheidung sei „ganz eindeutig“ und einstimmig gefallen
        • Platz 1 und 2 dicht beieinander
        • LAP vor FHECOR aus Genehmigungsgründen u. Einfügung in historischen Stadtraum (i. e. geringeres Risiko Denkmalschutz wg. Höhe)
      • 10 Mio. Unterschied zu Schüßler ist grobe Schätzung und nicht belastbar – Geld sparen lieber mit weniger Spuren

    Nachfragen

    • Caspari:
      • Breite und Anbindung der Radwege an Elbufer bei allen Entwürfen gegeben und regelkonform möglich?
    • Kempe-Gebert:
      • Barrierefreiheit bzgl. Radwege?
      • Anbindung Radwege an Elberadweg?
    • Probst:
      • FHECOR: korrekt, dass Radfahrer in Relation Albertplatz-Pirnaischer Platz Straßenbahn nicht queren müssen, aber wenn Richtung Elberadweg; sowie von ELberadweg zu Elberadweg keine Querung nötig, aber wenn von Elberadweg in andere Richtung?
    • Schollbach:
      • Folgekosten wegen technischer Unterschiede höher/geringer zwischen Entwürfen?

    Antworten

    • FHECOR und andere Entwürfe: Regelkonformität von Radverkehrsanlagen muss geprüft werden; falls nicht, überall heilbar
    • Radweganbindung bei LAP am weitesten ausgearbeitet, aber „zu viel des Guten“; „zu dominante Verkehrsanlage“, „überambitioniert“
    • Barrierefreiheit der Anbindungen weniger relevant, als dass Brüclenzug selbst barrierefrei ist
    • Verbindung Elberadweg auf stromabwärtiger Seite wäre sinnvoll, aber hat Auswirkungen auf Brückenbreite
    • 3 teurere Entwürfe sind auch teurer in Instandhaltung, als Schüßler-Plan
  • Pressemitteilung: Initiative fordert Nachbesserungen bei Entwürfen für Carolabrücke

    Aus dem Wettbewerb für die neue Carolabrücke sind großteils gute Grundlagen für die weitere Planung hervorgegangen. Die derzeitigen Arbeitsstände zeigen aber noch nicht die Qualität, die ein Bauwerk mitten im Herzen Dresdens haben muss.

    Zu begrüßen ist, dass alle vier Entwürfe Bögen über die Elbe spannen. Es zeigt sich deutlich, dass die Forderung der Initiative Carolabrücke nach Bögen richtig war und auch von Fachleuten geteilt wird.

    Leider sind bei keinem der Entwürfe Merkmale wie Kanzeln, kleinteiliges Stahlfachwerk oder auskragende Pfeiler vereint. Auch andere traditionelle Charakteristika wie Sandstein oder Ornamentik sind nur vereinzelt eingestreut.

    Bei Ingenieurbüro GRASSL gefallen besonders die großzügigen Kanzeln, welche aus den Pfeilern entwickelt werden. Der Entwurf von Leonhardt, Andrä und Partner profitiert vom kleinteiligen Stahlfachwerk in den Zwickeln. Bei FHECOR überzeugt der Rhytmus aus einem großen und mehreren kleineren Bögen.

    Der Entwurf von FHECOR/TSSB bezieht seine Beliebtheit vor allem daraus, dass er die Pfeilerstandorte der historischen Carolabrücke von 1895 nutzt, also ein Pfeilerpaar mehr hat als die anderen Entwürfe, was schönere Bögen ermöglicht.

    Dieses Team setzt sich damit über die strengen Vorgaben der Stadt hinweg. Im Sinne der Fairness gegenüber den anderen Wettbewerbsteilnehmern schlagen wir drei Optionen vor:

    1. FHECOR legt bis zum Beginn der Bürgerbeteiligung Visualisierungen vor, die der Ausschreibung entsprechen.
    2. Die Stadt Dresden erklärt, dass zusätzliche Pfeiler doch nicht genehmigungspflichtig sind und gibt den anderen Teilnehmern die Möglichkeit, ihren Entwürfen bis 12.06. ebenfalls Pfeiler hinzuzufügen.
    3. Der Entwurf von FHECOR wird vom Verfahren ausgeschlossen.

    Im Gegensatz zu weiteren Pfeilern ist eine mäßige Verringerung der Hauptspannweite als Ersatzneubau genehmigungsfähig. Das hat das Rechtsgutachten ergeben. Daher fordert die Initiative eine Verringerung der gewaltigen Spannweite von zuletzt 120 Metern um weniger als 10%. Weniger Spannweite bedeutet geringere Kosten, mehr Stabilität und schönere Bögen.

    Das größte Potenzial, mit kleinen Verbesserungen doch noch eine Dresden-typische Brücke zu erhalten, sieht die Initiative Carolabrücke im Entwurf des Ingenieurbüros GRASSL und gmp. Wir werden jedoch nur einen überarbeiteten Entwurf unterstützen bzw. jenes Team, das die 27.000 Stimmen für eine Gestaltung nach historischem Vorbild in der kommenden Detailplanung am deutlichsten berücksichtigen wird.

    Wir fordern alle Entwurfsteams auf, sich Verbesserungsvorschlägen nicht zu verschließen. Begleitgremium und Stadtrat sollten ein Nachbessern verlangen und damit dem selbst formulierten Anspruch einer herausragenden Architektur gerecht werden.

    Damit fachkundige Dresdner/innen die Möglichkeit haben, sich mit allen Einzelheiten schon vor Beginn der Bürgerbeteiligung fundiert auseinanderzusetzen, muss die Stadt jetzt alle Wettbewerbsunterlagen freigeben. Es gibt keinen Grund, die vollständigen Entwürfe noch länger als geheime Verschlusssache zu behandeln.

    Anhang:

    Die Handzeichnungen demonstrieren, mit welch geringen, rein gestalterischen Anpassungen aus der futuristischen Brücke von GRASSL/gmp eine klassisch-zurückhaltende Dresdner Brücke werden kann. Bildrechte Zeichnung: Initiative Carolabrücke, Visualisierung: Ingenieurbüro GRASSL und gmp.

  • Pressemitteilung: Initiative benennt klare Kriterien für die neue Carolabrücke

    Dresden, 18.05.2026

    Wenn am 26. Mai die Entwürfe der neuen Carolabrücke vorliegen, wird die Initiative Carolabrücke e. V. diese nach klaren Kriterien bewerten. Maßstab sind typische Merkmale, die der historischen Dresdner Brückenfamilie ihren Charakter und ihre Qualität verleihen. Zwischen Marien-, Augustus- und Albertbrücke fügt sich die Carolabrücke ein, wenn sie den Stil der Altstadt fortschreibt.

    Essenziell ist eine Konstruktion als Bogenbrücke. Nachdem mehrere Teilnehmer des Wettbewerbs öffentlich erklärt hatten, Bogenbrücken entwerfen zu wollen, hat die Stadt dies in Abstimmung mit dem Wasserstraßenamt schnell ermöglichen können. Initiative Carolabrücke und drei große Petitionen hatten schon seit Anfang 2025 eine Bogenbrücke angemahnt.

    Wie es schon bei der ersten Carolabrücke gelang, können große Bögen über dem Fluss und kleinere Bögen in den Uferbereichen einem harmonischen Rhythmus folgen. Das Material Sandstein, das die repräsentativen Bauten beiderseits der Elbe ebenso wie die Nachbarbrücken dominiert, soll auch die Carolabrücke prägen. Wichtig ist, dass die steinverkleideten Pfeiler mit begehbaren Kanzeln abschließen. Solche Kanzeln ermöglichen es, die fantastischen Ausblicke zu genießen, ohne den Verkehr zu stören. Auch die Untersicht auf die Brücke ist wichtig. Die großen Bögen über die Elbe können, ebenso wie bei der ersten Brücke von 1895, ein kleinteiliges Stahlfachwerk zeigen.

    Nach dem Brückeneinsturz müssen Lehren für die Konstruktion gezogen werden. Die Initiative Carolabrücke fordert Entwürfe, die Prüfung, Reparatur und Langlebigkeit aller Bauteile ermöglichen.

    Die neue Brücke bietet zudem die Möglichkeit, den bisher stiefmütterlich behandelten östlichen Teil der Innenstadt aufzuwerten. Die Initiative Carolabrücke e. V. wird die Entwürfe auch danach bewerten, wie viel Potenzial für die Ergänzung von Schmuckelementen sie bieten. Der Verein steht bereit, Spenden einzuwerben und regionale Kunsthandwerker zu beauftragen. Durch Archivarbeit konnte die Initiative bestätigen, dass neben Hermann Klette auch der später berühmt gewordene Architekt Adalbert Pasdirek-Coreno durch die künstlerische Gestaltung der Königin-Carola-Brücke seine ersten Erfolge verzeichnen konnte. Viele der historischen Gestaltungselemente überzeugen noch heute durch die Verbindung von Funktionalität und Ästhetik.

    Für Fuß- und Radverbindungen darf die Brücke keine solche Barriere mehr sein wie bisher. Der Neubau der Brücke soll ein Impuls für Pirnaische Vorstadt und Carolaplatz sein. Entsprechend müssen Zukunftsprojekte wie das Venezianische Quartier bei den Entwürfen mitgedacht werden.

    Die Initiative Carolabrücke e. V. wird die anstehende Bürgerbeteiligung unter anderem mit Infoständen weiterhin begleiten.

    Anhang: Die Augustusbrücke zeigt, wie eine Brücke zum Flair Dresdens beiträgt. Kanzeln ermöglichen das Genießen der Aussicht, ohne den Verkehr zu stören. Bildrechte: Initiative Carolabrücke.

  • Pressemitteilung: Initiative Carolabrücke begrüßt Offenheit für Bogenbrücken und fordert Fortsetzung ernsthafter Bürgerbeteiligung.

    Dresden, 28.03.2026

    Nach dem Bürgerdialog vom 18. März 2026 erklärt die Initiative Carolabrücke: „Wir unterstützen den Vorstoß einzelner Planungsbüros, im weiteren Verfahren auch dem Wunsch nach einer Bogenbrücke zu entsprechen. Zugleich befürworten wir eine vertiefte Auseinandersetzung mit dieser Brückenform und ihren gestalterischen Konsequenzen im Kontext der historischen Altstadt. Die bislang vorgelegten Überlegungen der beteiligten Büros lassen den Anspruch erkennen, verkehrliche, gestalterische und stadträumliche Belange zusammenzuführen.“
    Seit ihrer Gründung hat sich die Initiative für mehr Bürgerbeteiligung in unterschiedlichen Formaten eingesetzt, insbesondere im Austausch mit Vertretern der Stadtverwaltung. Die nun angestoßene Beteiligung bewertet sie vor diesem Hintergrund als Fortschritt. „Der Bürgerdialog war ein wichtiges Signal. Wer an einer so prägenden Stelle Dresdens baut, darf nicht über die Köpfe der Bürger hinweg planen. Die neue Carolabrücke ist eine generationelle Entscheidung. Sie muss funktional überzeugen und von der Stadtgesellschaft getragen werden. Sie muss sich zugleich in die historische Altstadt einfügen – jedoch nicht als abstrakte Neuinterpretation, die historische Bezüge lediglich zitiert, ohne sie gestalterisch einzulösen. Wir setzen darauf, dass die Landeshauptstadt Dresden den begonnenen Austausch zwischen Planungsbüros und Bevölkerung auch in den kommenden Monaten verlässlich weiterführt.“
    Die Dresdner Baukultur verlangt eine breite öffentliche Verständigung, welche die in der Stadtgesellschaft artikulierten Gestaltungspräferenzen berücksichtigen muss. In mehreren Petitionen und Umfragen hat sich die Erwartung einer am historischen Vorbild von 1895 orientierten Carolabrücke gezeigt. Dieses Votum aus der Stadtgesellschaft sollte im weiteren entwicklungsbezogenen Handeln der Stadtverwaltung stärker Berücksichtigung finden und in künftigen Planungen entsprechend zum Ausdruck kommen. Vor diesem Hintergrund regt die Initiative an, den intensiven Austausch zwischen Stadtpolitik und Gesellschaft auf die Stadträume entlang der St. Petersburger Straße auszuweiten. Die bisherigen Planungen der Büros bilden eine Grundlage, um auch deren Gestaltung weiterzuentwickeln.

    Bilder: Initiative Carolabrücke. Das Foto zeigt die von den Dresdnerinnen und Dresdnern im Rahmen des Bürgerdialogs erstellten Notizen. Deutlich wird der Wunsch nach einer historisierenden Gestaltung der dritten Carolabrücke. Die Visualisierung (enthält KI) vermittelt einen Eindruck von der Atmosphäre, die auf einer historisierend gestalteten neuen Carolabrücke herrschen könnte.

  • Pressemitteilung: Auswahl der Wettbewerbsteilnehmer wird begrüßt, Bogenbrücke und Integration gespendeter Bauteile gefordert

    Dresden, 05.12.2025

    Die Initiative Carolabrücke begrüßt, dass mit dem Entwurf der neuen Brücke mehrere Teams beauftragt wurden, die Erfahrung mit Rekonstruktion und dem Entwerfen historisch orientierter Architektur haben. Das zeigt, dass die zehntausendfach gezeichneten Petitionen, Umfrageergebnisse und die Arbeit der Initiative ernst genommen werden.

    Die neue Carolabrücke wird nur Akzeptanz finden, wenn sie den sehr hohen Erwartungen gerecht werden kann. Dass an diesem Ort eine Bogenbrücke die meiste Zustimmung erhält, hat zuletzt auch ein Wettbewerb der Stadt Dresden und der Technischen Universität bestätigt. Der mit dem 1. Preis ausgezeichnete studentische Entwurf füge sich dank des Bogentragwerks „harmonisch in die Stadtsilhouette und das bestehende Bild der Elbbrücken ein“, heißt es in der Begründung der Fachjury.

    Ob eine breitere Brücke Mehrkosten verursacht, wurde viel diskutiert. Wer sinnlose Kosten vermeiden will, sollte aber vor allem auf die Spannweiten schauen. Deshalb haben auch die Sieger des studentischen Wettbewerbs die Spannweiten gegenüber der eingestürzten Carolabrücke reduziert. Statt 120 Metern ist bei ihnen der Bogen über dem Fahrwasser 103 Meter breit. Das „reduziert die Baukosten durch geringere Spannweiten erheblich und hält trotzdem das Schifffahrtsprofil ein“, so die Studenten. Zudem beschleunige es Bauzeit und -sicherheit, neben den alten Pfeilergründungen zu bauen.

    Eine Verschiebung von Pfeilerstandorten ist laut dem von der Stadt beauftragten Rechtsgutachten möglich, wenn diese als „konstruktive Anpassung bzw. Verbesserung des Brückenbauwerks zu bewerten seien“. Der Flusspfeiler wird im Siegerentwurf lediglich um 4,5 Meter verschoben, der Pfeiler am Terrassenufer um 12 Meter. Damit gehen keinerlei verkehrliche Einschränkungen einher.

    Mit einem geringeren Pfeilerabstand ist Kraft der Physik eine konstruktive Verbesserung der Brücke möglich. Die Initiative Carolabrücke fordert einen Entwurf mit den statischen Vorteilen, die nur eine echte Bogenbrücke hat: Belastbarkeit, Langlebigkeit, Wirtschaftlichkeit. Von der lebensgefährlich eingestürzten Carolabrücke muss endgültig Abschied genommen werden.

    Die dritte Carolabrücke sollte sich nicht nur konstruktiv an den bewährten Nachbarbrücken orientieren, welche zuverlässig ihren Dienst tun. Die Bogenbrücken bereichern auch das historische Stadtbild, das für Wirtschaftskraft und Kultur Dresdens essenziell ist. Deshalb fordert die Initiative Carolabrücke die Integration von Gestaltungen der ersten Carolabrücke, die im Gegensatz zur zweiten Brücke als Sehenswürdigkeit galt. Der gemeinnützige Verein bietet an, historische Gestaltungselemente spendenfinanziert und in Etappen zu ergänzen. Die Entwürfe sollten solche Ergänzungen ermöglichen und damit bürgerschaftlichem Engagement und dem Wunsch vieler Dresdner/innen entgegenkommen.

    Visualisierung: Initiative Carolabrücke mit Genehmigung des Entwurfsteams von „Plan C“, Hans Bolz, Marc Lilienthal, Ferdinand Schulte zu Sodingen, Linus Witzel

    Die Visualisierung zeigt die Siegerbrücke des studentischen Wettbewerbes von TU Dresden und Stadt Dresden. Grundlage war ein aktuelles Foto, auf dem das Fahrwasser durch Bojen gut zu erkennen ist. Auch der Standort des alten Pfeilers und die kleine Verschiebung ist zu sehen. Der neue Pfeiler am Terrassenufer ist an die Uferkante herangerückt. Die verringerte Spannweite reduziert Materialeinsatz, Baurisiken und Verschleiß.

    Fotos: Initiative Carolabrücke. Die Fotos zeigen die Friedrichs- und Monbijoubrücke im Berliner Zentrum. Beide wurden vom Ingenieurbüro Grassl realisiert, das einen der vier Entwürfe für die Dresdner Carolabrücke in den Wettbewerb schicken wird. Die Berliner Brücken sollten der Dresdner Carolabrücke als Vorbild dienen. Wie auch die Carolabrücke wurden beide Berliner Brücken vor Kriegsende von der Wehrmacht gesprengt. Beim Neubau wurden die historische Ästhetik zitiert und historische Schmuckelemente aus Sandstein integriert. Die neuen Brücken haben breitere Durchfahrten als ihre Vorgänger.

  • Veranstaltungsankündigung: Königin-Carola-Brücke – eine Kulturgeschichte. Vortrag von Milena Filipps, Vorsitzende der Initiative Carolabrücke e.V.

    Veranstaltungsankündigung: Königin-Carola-Brücke – eine Kulturgeschichte. Vortrag von Milena Filipps, Vorsitzende der Initiative Carolabrücke e.V.

    Wann? 03.12.2025, 18 Uhr
    Wo? Piatta Forma (Festung Dresden), Eingang gegenüber dem Servicecenter der Sächsischen Dampfschifffahrt.
    Freier Eintritt.

    Jede Anknüpfung an historische Formen im Bauen, vom Zitat bis zur detailgetreuen Rekonstruktion, beruht nicht bloß auf abstrakter Schönheit, sondern auch auf Geschichte. Wir erkennen historische Denk- und Lebensweisen als relevant, identitätsstiftend, stadtbildprägend oder erinnerungswürdig an, indem wir uns für ihre Formensprachen entscheiden. In einem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs, welcher die Bedingungen und die Bedeutung einer solchen Sichtbarmachung der Vergangenheit im Stadtbild berührt und sich bis zu den Arten, Formen und Medien der kollektiven Erinnerung erstreckt, sieht auch die Initiative Carolabrücke eine ihre wichtigsten Aufgaben darin, „ihr“ Bauwerk in seiner kulturhistorischen Dimension, in seinen Beziehungen zu vergangenen Dresdner Lebenswelten aller Art zu verstehen, zu erforschen und ins Bewusstsein der Dresdnerinnen und Dresdner zu bringen, um das allgemeine Verständnis der Stadt, ihrer historisch gewachsenen Strukturen, Formen und Ästhetiken, zu vertiefen und zu erweitern: Welche künstlerischen Interpretationen machte die Königin-Carola-Brücke möglich? Welche politische Bedeutung gewann sie dank ihrer prominenten Lage im Stadtbild? Welche Rolle spielte das Bauwerk im städtischen Leben, sei es als Ort politischer Inszenierung, als Aussichtspunkt, Postkartenmotiv oder eine Kulisse der Spaziergänge über die vereiste Elbe in den 1920er Jahren? All das gehört für uns zum umfassenden Verständnis eines Bauwerks, das die reine Bau- und Kunstgeschichte ergänzt und uns die Vergangenheit bewusst macht, an die unsere Forderung des Wiederaufbaus nach historischem Vorbild anknüpft.

    Nun sind diese Fragen nicht schnell zu beantworten. Wir stehen lediglich am Anfang langwieriger Nachforschungen – und doch haben wir bereits Leitfragen und Ansatzpunkte formuliert, uns verschiedene, teilweise recht ungewöhnliche Quellengattungen vor Augen geführt, nach Forschungsfeldern und Methoden gefragt, die eine Herangehensweise an unseren Gegenstand und seine Geschichte ermöglichen. Wir wollen die Dresdner Bevölkerung – auch im Sinne unseres demokratischen Selbstverständnisses – nicht nur am Ergebnis, sondern auch am Prozess der Suche, des Forschens, des Nachfragens, der Auseinandersetzung mit schriftlichen, bildlichen und materiellen Überresten der Vergangenheit teilhaben lassen und setzen mit unserem Vortrag ganz am Anfang des Forschungsprozesses an: Unsere Vorsitzende berichtet, auf welche Art und Weise die Initiative die historische Carolabrücke besser verstehen möchte, welche Fragen uns besonders interessieren und zeigt die spannenden Quellen, die uns dabei helfen werden, unser Wissen zu vertiefen.

    Unsere Präsentation findet im Rahmen einer Vortragsreihe statt, die vom Dresdner Verein Brühlsche Terrasse e.V. in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V., dem Forum für Baukultur e.V. und dem Gottfried-Semper-Club-Dresden e.V. betreut wird. Die Referenten und Vereine, die sich mit der Erforschung und Vermittlung der Dresdner Geschichte beschäftigen, stellen in Vorträgen am ersten Mittwoch eines jeden Monats um 18:00 die Ergebnisse ihrer Tätigkeit vor und fördern so den Austausch über die vielfältige Vergangenheit unserer Stadt. Wir freuen uns, Teil der Vortragsreihe zu sein und danken den Veranstaltern für die Einladung. Schauen auch Sie gern vorbei und kommen Sie mit uns ins Gespräch.

    Bildnachweis: Deutsche Fotothek / Brück und Sohn

  • Pressemitteilung: Planungsrechtliche Stellungnahme zum historisierenden Wiederaufbau

    Mit dem Beginn der Ausschreibung der Planung der neuen Carolabrücke rückt der Wiederaufbau in greifbare Nähe. In diesem Zusammenhang hat die Initiative Carolabrücke ein Konzept erarbeitet und geprüft, inwiefern eine historisierende Variante im Rahmen des Planungswettbewerbs realisierbar wäre.

    Als Grundlage hat die Initiative in ausgedehnter Öffentlichkeitsarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt gemeinsam versucht, einen Entwurf zu entwickeln, der sowohl die Bauweise der historischen Königin-Carola-Brücke aufgreift, als auch in seiner Gestalt den Anforderungen der Zukunft und des anstehenden Planungswettbewerbes gerecht werden kann. Im Ergebnis entstand eine Bogenbrücke auf Basis der historischen Brücke, deren Pfeilerstandorte ausschließlich denen der 1971 gebauten Carolabrücke entsprechen und somit in der Mitte eine Spannweite von 120 m aufweist.

    Im Auftrag der Initiative führte der Dresdner Architekt Dipl.-Ing. Philipp Hänicke eine planungsrechtliche Stellungnahme auf Basis des Rechtsgutachtens der Kanzler Redeker, Sellner und Dahs vom April 2025 durch. In seiner Betrachtung wurde festgestellt, dass laut Gutachten nach der Rechtsprechung zum Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) und der Gesetzesbegründung zum Bundesfernstraßengesetz (FStrG) ohne Kapazitätserhöhung des Verkehrsweges keine Erheblichkeit der baulichen Änderung und somit keine Planfeststellungspflicht besteht. Nur nach enger Auslegung des §17 FStrG wäre eine Planfeststellungspflicht begründbar; diese würde aber nur von Gerichten nach Klagen verhängt werden. Das Risiko von Klagen ist generell als sehr niedrig einzuschätzen, da selbst bei Beantragung eines Plangenehmigungsverfahrens nur das Benehmen mit den direkten Betroffenen hergestellt werden müsste.

    Sollte zudem die Stadt entscheiden, die Bundesstraße B170 an die Westseite Dresdens zu verlegen, sodass diese bei dem Ersatzneubau der Carolabrücke keine Rolle mehr spielt, so entfallen die Anforderungen nach FStrG. Maßgeblich sollte dann die Rechtsprechung nach BImSchG sein, sodass davon auszugehen ist, dass dann der Ersatzneubau in historisierender Variante ohne Kapazitätserhöhung planfeststellungsfrei sein sollte.

    Im Ergebnis der Stellungnahme wird in jedem Fall „ein Ersatzneubau in Form eines Entwurfs ähnlich der vorliegenden Visualisierung in historisierender Bauweise als grundsätzlich planfeststellungsfrei eingeschätzt.“

    Die Initiative Carolabrücke erwartet, dass die Stadt den in von 26.000 Unterstützern unterzeichneten Petitionen gezeigten Willen der Stadtgesellschaft in den Planungsprozess mit einbindet. Da nachweislich ein historisierender Entwurf planfeststellungsfrei möglich ist, fordert die Initiative, dass mindestens einer der vier einzureichenden Entwürfe als historisch angelehnte Bogenbrücke realisiert wird, um der Stadt und der Bürgerschaft im Rahmen der demokratischen Teilhabe eine freie Entscheidung über das Aussehen der neuen Carolabrücke zu ermöglichen.

  • Wir haben nachgefragt – Stellungnahmen von vier Fraktionen im Bauausschuss

    Allen Stadträten im Bauausschuss haben wir im Juli 2025 fünf Fragen mit Bitte um eine kurze Antwort gestellt. Folgende Antworten haben wir erhalten (hier in der Reihenfolge, in der sie uns erreichten). Das Spektrum unterschiedlicher Ansichten kommt darin gut zum Ausdruck!

    PVP-Fraktion (Piratenpartei, Volt, Die Partei)

    Was sind Ihre Top-3-Prioritäten für den Neubau der Carolabrücke?

    • echte Bürgerbeteiligung
    • Variantenvergleich
    • eine wirklich schöne und zukunftsfähige neue Brücke

    (Wie) darf die Bevölkerung über die Gestaltung mitentscheiden?

    So wie das bislang geplant ist, so gut wie gar nicht. Eine Vorfestlegung auf „Ersatzneubau“ und „Anzahl der Spuren“ lässt so gut wie keine Spielräume mehr zu. Jegliche Versuche zur „Bürgerbeteiligung“ verkommen dann zur Farce.

    Wird es Auswahlmöglichkeiten mit historischer Ästhetik geben?

    Nach unserem Ersetzungsantrag: ja, natürlich!

    Welches Jahr streben Sie für die Einweihung an?

    Die Brücke steht 100 Jahre im Herzen der Stadt und bestimmt maßgeblich den verkehrlichen, ökologischen, sozialen und stadtbildnerischen Raum (weit über die Grenzen der eigentliche Brücke hinaus: z. B. St. Petersburger/Albertstraße). Wir sollten nicht trödeln, aber auch keine Schnellschüsse machen. Ich denke, 2032 kann eine neue Brücke eröffnet werden.

    Was möchten Sie für den Stadtraum an der St. Petersburger Straße erreichen?

    Die Heilung der „Stadtwunde“ St. Petersburger Straße ist eines der wichtigsten Projekte in Dresden für die kommenden 15 Jahre. Hier kann ein wunderschöner neuer Stadtraum entstehen, der ökologisch, verkehrlich, städtebaulich, wohnungstechnisch und auch wirtschaftlich Maßstäbe setzen kann. Daher ist es ja gerade eine der Schlüsselfragen für die Entwicklungsperspektiven der St. Petersburger, dass jetzt kein „Schnellschuss-Carola“ ebendiese Perspektiven auf Jahrzehnte zunichte macht.

    Alternative für Deutschland (AfD)

    Was sind Ihre Top-3-Prioritäten für den Neubau der Carolabrücke?

    a.) Der Faktor Zeit: Die derzeitige Verkehrslage in unserer Stadt verursacht täglich einen enormen wirtschaftlichen Schaden. Ziel muss es deshalb sein, schnellstmöglich eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur wiederherzustellen.

    b.) Die Funktionsfähigkeit unserer Verkehrsinfrastrukur: Nachdem der Vorschlag der AfD zur Errichtung einer Interimsbrücke abgelehnt wurde, muss nun ein Brückenbauwerk errichtet werden, welches innerhalb der Rahmenbedingungen des derzeitigen Hauptverkehrsnetzes im Stande ist, die täglichen Verkehrslasten abzuwickeln und das zudem auch noch Reservekapazitäten für den Fall etwaiger Sperrungen anderer Brückenbauwerke bereit hält (bevorstehende Sanierung Marienbrücke). Es muss vermieden werden, dass es dann auf der Carolabrücke in Folge der Sperrung der Marienbrücke dann erneut zu einem Verkehrschaos und einer damit verbundenen Schädigung der städtischen Wirtschaft kommt.

    c.) Städtebau: Uns ist es wichtig, dass sich eine neue Brücke städtebaulich in das historisch geprägte Stadtbild einfügt. Prägend für die Umgebung ist die historische Altstadtsilhouette, das Terassenufer und das Königsufer (auch mit seiner zukünftigen Bebauung). Die Brücke darf nicht in Konkurrenz zu diesen prägenden Elementen unseres Stadtbildes treten und muss sich darin einfügen. Wir befürworten deshalb die weitestmögliche Verwendung von Stilelementen der historischen Carolabrücke von 1895 beim „Ersatzneubau“.

    (Wie) darf die Bevölkerung über die Gestaltung mitentscheiden?

    Wir setzen uns ausdrücklich für eine Beteiligung der Bürger ein und haben deshalb auch im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr diese Beteiligung zur Voraussetzung für unsere Zustimmung gemacht. Wir wünschen uns hier ein Werkstattformat, welches analog zu dem Beteiligungsformat zum Königsufer aufgebaut ist. Die Bürger sollen eigene Ideen zur weiteren Gestaltung einbringen und auch ein Votum über die unterschiedlichen Entwürfe treffen können.

    Wird es Auswahlmöglichkeiten mit historischer Ästhetik geben?

    Wir befürworten eine Mehrfachbeauftragung von mindestens 4 Entwürfen, aus denen dann unter Berücksichtigung des Votums der Bürgerschaft eine Siegerentwurf ausgewählt und für die Realisierung weiterentwickelt werden soll.

    Welches Jahr streben Sie für die Einweihung an?

    Mit unserem Vorschlag zu einer Interimsbrücke wäre eine Nutzung der Elbquerung im Frühjahr 2026 realisierbar gewesen. Nach der Ablehnung unseres Vorschlages in der letzten Stadtratssitzung werden wir uns dennoch dafür einsetzen, dass eine schnellstmögliche Lösung unter Berücksichtigung der Bürgerbeteiligung realisiert wird. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass die Freigabe dieser Elbquerung nicht vor 2031 erfolgen wird.

    Was möchten Sie für den Stadtraum an der St. Petersburger Straße erreichen?

    Die Verkehrsschneise St.-Petersburger-Straße sehen wir als städtebauliches Übel, welches wir gern mit historischen Leitbauten (Bspw. Kaiserpalast) und einer städtebaulichen Entwicklung umgestalten wollen. Auch vor diesem Hintergrund hatten wir eine Interimsbrücke vorgeschlagen, um die benötigte Zeit zu gewinnen, die Hauptverkehrsachsen unserer Stadt neu zu ordnen und die derzeitige Bedeutung dieses Verkehrszugs als derzeitige Haupt- und Bundesstraße zu einer einfachen innerstädtischen Straße herabzustufen. Wenngleich unser Vorschlag keine Mehrheit gefunden hat, halten wir dennoch inhaltlich an der Umgestaltung bzw. Umverlegung der Hauptverkehrsrouten aus unserem Stadtzentrum heraus fest und unterstützen die perspektivische, städtebauliche Entwicklung dieses Areals als urbanes, innerstädtisches Gebiet.

    Team Zastrow

    Was sind Ihre Top-3-Prioritäten für den Neubau der Carolabrücke?

    • schnell bauen
    • wie bisher mit vier Kfz-Spuren bei verbesserten Bedingungen für Radfahrer bauen
    • architektonisch anspruchsvoll bauen

    (Wie) darf die Bevölkerung über die Gestaltung mitentscheiden?

    Die Entscheidung über die Brücke sollte beim Stadtrat als repräsentatives und demokratisch gewähltes Gremium liegen. Es wird aber auch ein Begleitgremium und einen Bürgerbeteiligungsprozess geben.

    Wird es Auswahlmöglichkeiten mit historischer Ästhetik geben?

    Das von den bürgerlichen Fraktionen vorgeschlagene Verfahren der Mehrfachbeauftragung zu Beginn der Planungen wird zu mehreren unterschiedlichen Gestaltungsentwürfen führen und sichert Auswahlmöglichkeiten. Explizit sind auch Entwürfe, die sich am historischem Vorbild anlehnen, möglich.

    Welches Jahr streben Sie für die Einweihung an?

    Wenn der Stadtrat dem Votum des Bauausschusses folgt, ist nach Meinung der Verwaltung und der Experten eine Eröffnung im Jahr 2031 möglich.

    Was möchten Sie für den Stadtraum an der St. Petersburger Straße erreichen?

    Die Umgestaltung des Stadtraumes hat für uns angesichts der finanziellen und der verkehrlichen Situation der Stadt und der baulichen Gegebenheiten vor Ort keine Priorität. Es gibt wichtigere Dinge, um die sich die Stadt zuvorderst kümmern muss.

    Bündnis 90/Die Grünen

    Was sind Ihre Top-3-Prioritäten für den Neubau der Carolabrücke?

    • Gute, elegante Gestaltung
    • Platz für Straßenbahn, sichere Rad- und Gehwege und zwei Autospuren
    • mehr Optionen für eine menschenfreundliche Stadtgestaltung im Umfeld

    (Wie) darf die Bevölkerung über die Gestaltung mitentscheiden?

    Begleitende Bürger*innenbeteiligung im Wettbewerbsverfahren als Entscheidungshilfe für den Stadtrat

    Wird es Auswahlmöglichkeiten mit historischer Ästhetik geben?

    Das liegt in den Händen der teilnehmenden Planungsbüros.

    Welches Jahr streben Sie für die Einweihung an?

    Wir haben leider keine Glaskugel 😉 Planung, Beteiligung, Entscheidung, Ausschreibung und Bauausführung brauchen Zeit. Wenn nichts dazwischenkommt, könnte es 2030 soweit sein. Aber meistens kommt ja was dazwischen in unserer Stadt.

    Was möchten Sie für den Stadtraum an der St. Petersburger Straße erreichen?

    Die autobahnartigen Straßen der autogerechten Stadt der 60er Jahre sollen zugunsten von Wohnbauflächen und Grünräumen mit echter Aufenthaltsqualität auf Normalmaß gebracht werden.

  • Pressemitteilung 06.06.2025

    Neues Konzept für Ersatzneubau in historischer Optik

    Die Initiative Carolabrücke bringt sich mit einem neuen Konzept in die Diskussion um einen Ersatzneubau ein.

    Zuletzt bescheinigte Baubürgermeister Stephan Kühn dem CDU-Vorschlag einer zweigeschossigen Brücke prinzipielle Umsetzbarkeit. Im Vergleich dazu ist eine gestalterische Anpassung an die typischen Dresdner Bogenbrücken leicht umsetzbar.

    Mit einer Konzeptdarstellung (siehe Anhang) zeigt die Initiative Carolabrücke, wie sich auch ohne zusätzliche Strompfeiler eine historisch inspirierte Optik erzielen lässt. Dieser Vorschlag erfüllt alle Vorgaben, zum Beispiel auch jene des Denkmalschutzes.

    Baubürgermeister Kühn steht es nicht zu, den Dresdnern vorzuschreiben, was unter einer „zeitgemäßen Gestaltung“ zu verstehen sei. Wenn sich Kühns Haltung in der Vergangenheit durchgesetzt hätte, wäre Dresdens Innenstadt heute international uninteressant. Menschen aus aller Welt werden von Dresdens historischem Zentrum angezogen, das im alten Stil wiederaufgebaut wurde. Zurecht sind die meisten Dresdner stolz auf diese Leistung und engagieren sich für Architektur wie in kaum einer anderen Stadt.

    Der Bürgerrat für die Stadt Dresden hat im Mai gefordert, dass die Dresdner über „das Aussehen der Brücke mitbestimmen können“. Dieser repräsentativ aus 50 Dresdner Menschen zusammengesetzte Rat hat ein Jahr lang Empfehlungen an die Politik ausgearbeitet. Unter dem Motto „Friedensstadt Dresden“ heißt es, die „demokratische Aushandlung und Identifikation mit dem städtischen Bau“ sei wichtig für ein friedliches Zusammenleben.

    Dem schließt sich die Initiative Carolabrücke an und fordert die Stadt Dresden auf:

    • die Planungsbüros zu verpflichten, je zwei Gestaltungsvarianten zu entwerfen: darunter eine, die sich an die Ästhetik der originalen Carolabrücke von 1895 anlehnt
    • das Wettbewerbsverfahren mit weitreichenden Einflussrechten des Stadtrates und unter Bürgerbeteiligung abzuhalten 

    Das eindeutige Stimmungsbild zugunsten einer historischen Gestaltung, das in Petitionen und Umfragen zum Ausdruck kam, darf die Stadtverwaltung nicht – wie schon so oft – ignorieren.

    Unabhängig vom vorgelegten Konzept, das sich an den bisherigen Pfeilerstandorten orientiert, tritt die Initiative weiterhin für eine statisch sichere Bogenbrücke ein. Eine Spannweite von 120 Metern bleibt angesichts der Vorgaben – schmale Gestalt mit untenliegendem Tragwerk, hoher Lasteneintrag – auch mit heutigen Materialien riskant. Physik lässt sich nicht austricksen, wie der Brückeneinsturz eindrucksvoll gezeigt hat. Auch viele andere Spannbetonbrücken sind marode, eingestürzt ist jedoch die Carolabrücke. Daraus müssen wir lernen und uns auf die konkurrenzlosen Vorteile einer robusten Bogenbrücke besinnen.

    Rechtlich ist das möglich. 

    Um nach dem Abriss die eingestürzte Brücke nachbauen zu können, hat die Stadtverwaltung eine Sondergenehmigung für einen neuen Strompfeiler beantragt. Diese wurde als „individuelle Lösung“ erteilt, und zwar „abweichend vom Erlass“, der eigentlich Ausbauziele ohne Strompfeiler vorsieht. Beim Bundesverkehrsministerium (BMDV) und dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSV) hat man sich auch mit einer historisch orientierten Brücke beschäftigt. Das WSV schreibt dazu: „Sollte die Stadt Dresden hier eine Änderung wünschen, so müssten Sie dies direkt beim BMDV erwirken“. Dorthin hat die Initiative Carolabrücke sich gewandt. Von der zuständigen Referentin für Bundeswasserstraßen erhielt sie die Auskunft, dass „außerhalb des Fahrwassers eine Anpassung der Carolabrücke an das historische Vorbild aus strom- und schifffahrtspolizeilicher Sicht zustimmungsfähig“ sein kann. Die Bögen der ersten Carolabrücke vertragen sich mit der Breite des heutigen Fahrwassers (60 Meter).

    Die Initiative Carolabrücke geht davon aus, dass der Weg einer Genehmigung als Ersatzneubau scheitern wird. Die eingestürzte Brücke genügt in keinem Aspekt heutigen Anforderungen an Statik, Verkehrsführung und Städtebau. Die Vielzahl notwendiger Anpassungen ist so zahlreich, dass ein Neubau eine erhebliche bauliche Veränderung bedeutet. Daher wird ein Planfeststellungsverfahren unausweichlich sein.

  • Pressemitteilung 01.05.2025

    Stadtverwaltung verspielt Glaubwürdigkeit

    Bei der Bauausschuss-Sitzung am Mittwoch wurde deutlich, wie Baubürgermeister Stefan Kühn über Monate hinweg Stadträten und Öffentlichkeit die Unwahrheit gesagt hat.

    Der von der Verwaltung selbst beauftragte Jurist Dr. Fellenberg stellte im Beisein Kühns klar, dass für eine Behelfsbrücke kein Planfeststellungsverfahren notwendig ist. Das hatte Stefan Kühn immer wieder vor dem Bauausschuss behauptet und damit die Angst vor einer langen Wartezeit geschürt. Statt einer Richtigstellung wurde in der anschließenden Präsentation erneut behauptet, eine Behelfsbrücke könne erst „in 2 bis 3 Jahren in Betrieb gehen“. Wie kommt man auf diese Fantasie-Angabe? Zum Vergleich: In Bad Schandau war eine Inbetriebnahme der beiden Hilfsbrücken nach rund einem Jahr geplant: Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit zusammengerechnet. Dabei war dort sogar eine Zulassung für Flusspfeiler in der Elbe inbegriffen, da man das S-Brücken-System wählte, welches aller 80 Meter einen Pfeiler benötigt.

    Der Initiative Carolabrücke wurden interne Emails zugespielt, die belegen, dass der Verwaltung bereits im Oktober 2024 detaillierte Planungen einer Behelfsbrücke vorlagen und sie über den Ablauf einer Realisierung genau informiert wurde. Eine Inbetriebnahme wurde für Dezember 2025 in Aussicht gestellt, die Nutzungsdauer mit fünf Jahren angegeben. Die Verwaltungsspitze hat dieses qualifizierte Angebot jedoch ignoriert.

    Der Bauausschuss wurde, trotz stetiger Nachfragen der Stadträte, nicht informiert. Stattdessen sprach Stefan Kühn stets nur davon, dass Anfragen bei Bundeswehr und THW keine Verfügbarkeit von Hilfsbrücken ergeben hätten. Er konnte nicht nur wissen, sondern er wusste auch, dass diese nicht die richtigen Ansprechpartner für solch ein Anliegen sind.

    Auch nach Vorliegen einer weiteren Hilfsbrücken-Planung auf Veranlassung der Initiative Carolabrücke blieb die Stadtverwaltung untätig.

    Neben der verkehrlichen Bedeutung einer Hilfsbrücke kann diese auch die Fernwärme aufnehmen. Die provisorische Verlegung auf der Augustusbrücke hat SachsenEnergie 3,1 Millionen Euro gekostet. Nun wird überlegt, diesen untragbaren Zustand mindestens ein halbes Jahrzehnt zu dulden, bis die Carolabrücke wieder steht, oder einen Düker für über 30 Millionen Euro unter der Elbe zu verlegen. Deutlich kostengünstiger: 3 Millionen Euro für die Umverlegung auf eine ohnehin notwendige Hilfsbrücke und später 10 Millionen für den Einbau in die Carolabrücke. Doch für eine Hilfsbrücke, die in dutzenden Städten selbstverständlich ist, gibt es in Dresden offenbar Denkverbote.

    Bad Schandau hat das Glück, seine alte Elbbrücke nun doch wieder in Betrieb nehmen zu können. Jetzt heißt es, keine weitere Zeit zu vertrödeln, sondern unverzüglich beim Land Sachsen Bedarf für die freiwerdenden Mittel anzumelden. In Dresden querten fünfmal mehr KfZ die Elbe als in Bad Schandau, dazu kamen Straßenbahn und Fernwärme. Seit dem Einsturz summieren sich die zusätzlichen Fahrtwege laut Stadtverwaltung auf über tausend Stunden pro Tag. Wer stockenden Wirtschaftsverkehr beklagt, macht sich völlig unglaubwürdig, wenn gleichzeitig eine Hilfsbrücke blockiert wird. Auch die DVB sind langsamer und unfallgefährdeter geworden. Fußgänger drängen sich auf der Augustusbrücke mit mehr Radlern und der Fernwärme. Nicht zuletzt haben das Image Dresdens und der Stolz der Dresdner auf ihre Stadt gelitten. So soll es noch mindestens fünf Jahre weitergehen?

    Stadträtin Susanne Krause sprach davon, dass es „Vertrauen zerstört, was die Zusammenarbeit des Rates mit städtischen Unternehmen und der Stadtverwaltung angeht“, wenn Aussagen nach einigen Monaten ins Gegenteil verkehrt werden. Sie sagte dies in Bezug auf die Fernwärme, doch auch bei Abriss, Hilfsbrücke oder Neubau: die Aussagen der Stadtverwaltung sind nicht mehr glaubwürdig.