Wissenswertes

Die Initiative Carolabrücke unterstützt Team Grassl

Warum wir das Team Grassl unterstützen
Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten

Als unabhängige Initiative, die sich für einen Wiederaufbau der Carolabrücke nach historischem Vorbild von 1895 einsetzt, haben wir die aktuellen Entwürfe der vier Planungsteams nach unseren eigenen Kriterien bewertet, die eine zukunftsfähige Anlehnung an das historische Vorbild von 1895 ins Zentrum rücken. Wir halten die neue Carolabrücke des Teams um Ingenieurbüro Grassl für die Elbquerung, welche den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach einer geschichtsbewussten Architektur am konsequentesten aufgreift und zugleich die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Konstruktion bietet. Wir erläutern euch gern, warum der Entwurf dieses Planungsteams die Unterstützung der Dresdnerinnen und Dresdner verdient:

Das Team

Ingenieurbüro Grassl – Familienunternehmen mit 270 Angestellten, langjähriger Erfahrung im Brückenbau in Deutschland und einem Leistungsspektrum von Planung bis zur Prüfung, Begutachtung und Baumanagement. Bekannt ist Grassl z.B. für den Neubau zweier historisierender Brücken an der Museumsinsel Berlin (Monbijou- und Friedrichsbrücke)

GMP – Architekturbüro mit ca. 500 Mitarbeitern, bekannt für große und ambitionierte Projekte wie den Berliner Hauptbahnhof, Hamburger Kibbelsteg-Brücke (angelehnt an historische Brücken des 19. und 20. Jhd.) und die Ausführungsplanung des Berliner Schlosses.

Jordi Keller Pellnitz Architekten – Spezialisten für städtebauliche, architektonische und denkmalpflegerische Projekte. Das Büro erhielt den 2. Platz für ihren Entwurf der Gestaltung des Neustädter Marktes in Dresden und beteiligte sich an der Rekonstruktion der Schlosskirche Berlin-Buch.

Vössing Ingenieure – übernehmen die Verkehrsplanung im Team Grassl und gehören zu den führenden Ingenieurbüros mit Schwerpunkt Infrastruktur.

Team Grassl und das historische Vorbild (1895)

Hermann Klette, Oberbaurat und Planer der ersten Carolabrücke erkannte bereits Ende des 19. Jahrhunderts die kultur- sowie architekturhistorische Bedeutung des Ortes, an dem 1895 die neue Elbquerung entstehen sollte. Gemeinsam mit seinen Kollegen passte er sie optisch der Tradition des Dresdner Barocks an, welche die Stadtsilhouette mit der Frauenkirche schon damals verkörperte. Gerade die harmonische Einfügung ins Stadtbild sorgte dafür, dass die Königin-Carola-Brücke in überregionalen Zeitschriften gelobt und auf Postkarten in eine Reihe mit den namhaftesten Dresdner Sehenswürdigkeiten gestellt wurde. Auch die Ausschreibung des Jahres 2025, auf die sich das Team um Büro Grassl bewarb, betont die Bedeutung der harmonischen Einfügung der neuen Brücke in das historische Stadtbild. Das Team Grassl greift in seinem Entwurf grundlegende Elemente der ersten Carolabrücke auf, die schon damals den ästhetischen Anspruch nach Harmonie und Historie erfolgreich erfüllten. Darüber hinaus ist das Team für weitere historisierende Ergänzungen und Anpassungen offen, die dieses historische Vorbild achten.

"Der Reiz dieser Aufgabe lag im Besonderen darin, dass den Rücksichten, zu denen die ausgezeichnete Lage |...] nöthigte, im weitesten Maße Rechnung getragen werden musste. Auf der einen Seite die Brühl'sche Terrasse, über welche die Kuppel der Frauenkirche mächtig emporragt [...], stromaufwärts die stattliche Albertbrücke, über die hinaus der Blick in die den Fluss begrenzenden grünen Berggelände bis tief in die „Dresdener Haide" taucht, stromabwärts der wuchtige Bau der Augustusbrücke und dahinter die die Stadt beherrschenden Thürme der katholischen Hofkirche und des Schlosses, das Museum und das Theater und zwischen diesen hindurch die blauenden Berge des Meißner Hochlandes - in der That eine Lage, wie sie bevorzugter kaum gedacht werden kann."
Hermann Klette, Oberbaurat, 1897
Das schreibt Klette über die Bedeutung der Umgebung für die Planung der ersten Carolabrücke. Team Grassl knüpft an Klettes Lösungen produktiv an.
Die Postkarte von ca. 1905 stellt die Carolabrücke in eine Reihe mit dem Theaterplatz und Zwinger. Die neue Brücke gilt als charakteristisch für Dresden, stadtbildprägend und beliebt.
Wie ihre Vorgängerin (siehe Postkarte) ermöglicht die Brücke des Team Grassl einen Blick auf die Elblandschaft von der Brühlschen Terrasse. Neben dem Blick auf die Altstadtsilhouette ist auch dieser ein wichtiger Bezugspunkt für die Wahrnehmung des Zusammenspiels von Natur und Architektur in Dresden. Diese kulturhistorisch bedeutende und bewahrenswerte Perspektive auf die erste Carolabrücke wurde ebenfalls künstlerisch verarbeitet, so z.B. von Gotthardt Kuehl. Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten.

Konstruktion als Bogenbrücke

Die Bogenbrücke ist eine ingenieurtechnische Leistung des antiken Roms, die sich überall in Europa verbreitete. Im Verlauf der gesamten europäischen Kulturgeschichte entstanden Bogenbrücken, schlicht und prachtvoll, verziert mit Kanzeln, Aufbauten, Statuen und Reliefs. Die Bögen sorgten für eine optimale Verteilung der Kräfte im Bauwerk, welche die jahrhunderte- und jahrtausendealten Brücken in Rom, Florenz, Prag, Trier, Nürnberg und Regensburg noch heute bezeugen. Auch die Dresdner bauten im Hochmittelalter eine Bogenbrücke, die um 1910 in historisierender Form und unter Berufung auf das bewährte Konstruktionsprinzip wiedererrichtet wurde. Wir kennen und schätzen sie als die heutige Augustusbrücke. Im 19. Jahrhundert entstanden die Marien- und die Albertbrücke, ebenfalls als dresdentypische Bogenkonstruktionen. Die Königin-Carola-Brücke knüpfte an diese Tradition mit zwei Innovationen an: Die für ihre Zeit großen Spannweiten von ca. 60 m und die sichtbare Eingliederung des Stahlfachwerks in ihre Ästhetik. Trotz der aktuellen Vorgabe noch größerer Spannweiten greift nun auch Büro Grassl auf die Bogenform zurück, die sich zugleich als historisch und zeitlos erweist. Im Zusammenspiel mit den Pfeilern, die sich ebenfalls an die historische Form anlehnen, bilden die schlichten Bögen einen angenehmen Rhythmus und unterstreichen die Stadtsilhouette statt sich dem Betrachter aufzudrängen. So war es auch von Klette gedacht.

Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten
Königin-Carola-Brücke auf einer historischen Postkarte. Blick von der Neustädter Seite. Private Kollektion.

Die Materialien

Die Materialkombination der Königin-Carola-Brücke wies sie als eine Architektur aus, die um 1900 Geschichtsbewusstsein und Modernität miteinander zu verbinden wusste. Sandsteinverkleidungen der Flutbrücken am Ufer würdigten eine lebendige Dresdner Bautradition, das Stahlfachwerk der drei großen Bögen über der Elbe betonte das Selbstbewusstsein einer durch Industrialisierung, wissenschaftlich-technische Innovation und nicht zuletzt auch die Metallverarbeitung geprägten deutschen Gesellschaft. Das Zusammenspiel von Sandstein und Stahl wurde bald zur Besonderheit der ersten Carolabrücke in der Dresdner Innenstadt, das für Besucher und Beobachter durchaus von Interesse war. Durch eine hellbronzefarbene Beschichtung der Bögen und die Verwendung von Sandsteintexturen an den Pfeilern knüpft Büro Grassl an dieses Spezifikum der ersten Carolabrücke an und schreibt die Dresdner Brückenbaugeschichte weiter, statt sie aus dem Nichts neu zu konstruieren.

Hans Poelzig (1869-1936), Elbbrücke, Dresden: Ansicht. Foto auf Karton, 28,00 x 46,00 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 2747.
Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten

Kanzeln und Pfeiler

Spätestens seit der Renaissance verfügten Brücken über Kanzeln: Wie in unserem Aufsatz herausgestellt, sind diese begehbaren, balkonartigen Abschlüsse von Brückenpfeilern wichtige Strukturelemente der Brücken. Sie bestimmen die Position, von der wir einen Blick auf die Stadt werfen und beeinflussen damit, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Sie verleihen den Brücken eine harmonische Gliederung und bieten Raum für Kunstwerke, an denen wir auf unserem Weg durch die Stadt innehalten können. Hermann Klette integriert die Kanzel ganz bewusst in die Konstruktion der ersten Carolabrücke und ermöglicht den Dresdnerinnen und Dresdnern die Entdeckung eines neuen Elbblicks, den wir seit 1895 bis heute kennen und schätzen. Büro Grassl schreibt die Tradition fort, indem es großzügige Kanzeln über den Pfeilern vorsieht. Wie auch damals laden sie zum Verweilen ein, verleihen der langen Brücke einen menschlichen Maßstab durch Abwechslung und Unterteilung der langen Flussquerung und würdigen den Elbblick mit dem Rückgriff auf eine bewährte architektonische Bedingung des Betrachtens.

Büro Grassl entwickelt die Pfeiler und Kanzeln nach dem historischen Vorbild. Wie bei der ersten Carolabrücke wirken Kanzeln als natürlicher Abschluss der Pfeiler, die auch ihrerseits zur harmonischen Wirkung und historischen Identität der Brücke beitragen. Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten.
Die Kanzeln des Büro Grassl sorgen für Aufenthaltsqualität und ermöglichen einen Ausblick auf die berühmte Stadtsilhouette. Möglich bleiben historisierende Anpassungen ihrer Gestalt. Visualisierung: Grassl mit gmp Architekten.
Bald nach ihrer Fertigstellung bot die erste Carolabrücke einen Ausblick auf die Altstadt, die die Dresdnerinnen und Dresdner für sich entdeckten. Die Kanzel bot ihnen dabei die optimale Möglichkeit, diese Aussicht zu genießen. Deutsche Fotothek / Johannes Müller
Der Elbblick: Bis heute im kollektiven Gedächtnis mit der Carolabrücke verbunden. Die Brücke des Teams Grassl bietet nun die Möglichkeit, diese Aussicht wie 1895 von den Kanzeln in Ruhe zu betrachten. Bild: pixabay.

Impulse für die Pirnaische Vorstadt

Der Entwurf des Teams um Grassl sieht die Wiederherstellung des Elbbergs und des historischen Elbgässchens vor, die Einbindung der Figuren ruhige und bewegte Elbe in die Umgestaltung des Rathenauplatzes, die Offenlegung des Kaitzbachs und die verstärkte Anbindung des Promenadenrings an das Elbufer. Damit weist der Städtebau um Grassls Carolabrücke historische Bezüge auf, die den Auftakt zu einer weiteren Gestaltung des Areals nach dem Vorbild der historischen Situation vor 1945 bieten können. Wie unsere Recherchen zeigen, hat die Pirnaische Vorstadt eine wechselvolle Geschichte und ist für die Entwicklung der Dresdner Kultur- und Architekturlandschaft von hoher Bedeutung. Um diese in unserer Gegenwart langfristig wieder erlebbar zu machen, unterstützen wir auch die städtebaulichen Überlegungen des Büros Jordi Keller Pellnitz, die mit den historischen Bezügen der Brücke des Planungsteams korrespondieren.

Das Venezianische Haus (1845) direkt an der ersten Carolabrücke ist ein Zeugnis bildungsbürgerlicher kreativer Auseinandersetzung mit der Architektur venezianischer Palais sowie den städtebaulichen Ambitionen Augusts des Starken. Es ist ein markantes Zeugnis der Vielfalt unserer Stadtgeschichte und kultureller Verflechtung. Die Wiederherstellung des Elbbergs im Entwurf des Team Grassl schafft eine wichtige Voraussetzung für seine Rekonstruktion am ursprünglichen Standort.

Fortsetzung des Dialogs: Historisierende Ergänzungen

Das Team um Büro Grassl erklärte, den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern auch in weiteren Planungsphasen fortführen zu wollen und den Wunsch der Stadtgesellschaft nach einer geschichtsbewussten Architektur zu berücksichtigen. Weil das Büro wichtige Merkmale der Königin-Carola-Brücke (1895) bereits aufnimmt, lassen sich historisierende Anpassungen – Detaillierung, Laternen, Uhr- und Wettertürmchen, bildende Kunst – leicht vornehmen.

Zugleich liegen einige historisierende Ergänzungen wie z.B. Plastiken sowie Uhr- und Wettertürmchen im Verantwortungsbereich der Stadt. Umso wichtiger ist unsere Petition, die den Stadtrat auffordert, eine historisierende Gestaltung für die Detailplanung der dritten Carolabrücke verbindlich festzulegen. Jede Unterschrift hilft, unser Ziel voranzubringen: Hier geht’s zur Petition.

Laternen und Geländer der ersten Carolabrücke, die im Entwurf von Grassl Platz finden können. Bildnachweis: Deutsche Fotothek / Heinz Märker
So könnten historisierende Elemente an einer neuen Carolabrücke aussehen (KI auf Grundlage historischer Fotografien).

Wirtschaftlichkeit

Von allen vier Entwürfen ist die Brücke von Grassl die wirtschaftlichste. Sie ist am leichtesten umsetzbar, am günstigsten und wartungsfreundlichsten. Die Vorfertigung großer Bestandteile der Konstruktion sorgen für eine verkürzte und vereinfachte Bauzeit vor Ort. Die Einfachheit des Tragwerks aus Stahlkästen bietet einen problemlosen Zugriff auf alle Bestandteile der Brücke, um Wartungsarbeiten durchzuführen. Das flexible Tragwerkskonzept ermöglicht spätere Anpassungen der Brückenbreite an die Erfordernisse der Zukunft und zeichnet die Elbquerung so als besonders nachhaltig aus. Alle Anforderungen an einen Ersatzneubau werden im Entwurf eingehalten, sodass die Genehmigungsfähigkeit garantiert und mit dem Bau zügig begonnen werden kann.

Dresdner Brücken

Das Dresdner Brückenensemble als Kontext der Carolabrücke

Dresdens Geschichte ist eine Geschichte der Brücken. Bereits im Hochmittelalter verbindet die berühmteste von ihnen, die Augustusbrücke, das Alt- und Neustädter Ufer. Im 19. Jahrhundert entsteht nahe der Altstadtsilhouette ein Ensemble aus vier Elbquerungen, die gemeinsam den Blick auf Dresden prägen. Auch spätere Konstruktionen zeigen ihre Wirkung auf den Charakter der Stadt und sorgen für angeregte Diskurse. Dies sind die Dresdner Brücken im Überblick (von West nach Ost):

Marienbrücke

Die Elbquerung westlich der Augustusbrücke ist eine Steinbogenbrücke von 1852. Wegen des Abbruchs und Neubaus der Augustusbrücke um 1910 ist sie heute die älteste Dresdner Brücke und besitzt zugleich die engste Durchfahrtsbreite auf der Elbe. 2002 wurde eine Fahrbahnverbreiterung unter Beibehaltung des historischen Erscheinungsbilds in Richtung Altstadt vorgenommen. Zwei Jahre später folgte der Neubau einer auf 1901 zurückgehenden benachbarten Eisenbahnbrücke aus Spannbeton, der zur Entfernung der vormaligen stählernen Brückenbögen führte, die historischen Stützweiten jedoch beibehielt. Die neue Eisenbahnbrücke wurde fünfgleisig und kostete 75 Millionen Euro. Die Marienbrücke bietet eine von Dresdnern geschätzte Aussicht auf das Stadtpanorama.

Deutsche Fotothek / Paul Wolff

Augustusbrücke

Bereits in einer Quelle von 1234 wurde eine Brücke an der Stelle der heutigen Augustusbrücke erwähnt. Obwohl sie im Laufe ihrer Geschichte mehrmals ihre Gestalt veränderte, aber auch Kriegen und Überschwemmungen ausgesetzt war, behielt sie ihren zentralen Standort im Dresdner Zentrum bei. Ursprünglich war die Brücke 560 m lang, 8,5 m breit mit 24 Bögen, zusammengesetzt aus in Kalkmörtel eingebetteten Bruchsteinen, außen mit Sandsteinquadern verkleidet. Ihre bekannteste Umgestaltung zu einer Elbquerung mit 11 m Breite und 17 Bögen erfuhr die Brücke 1727 unter Pöppelmann. In dieser Gestalt ist die Brücke auf den Gemälden Canalettos zu sehen. Da sie nicht länger den Verkehrsanforderungen des beginnenden 20. Jahrhunderts entsprach, entschied sich die Stadtverwaltung für einen Abbruch und Neubau unter Beachtung der barocken Ästhetik. So entstand 1910 die heutige Augustusbrücke mit 18 m Breite und 9 Bögen auf 4 Strompfeilern, eine Dreigelenkbogenbrücke aus Stampfbeton mit Sandsteinverkleidung.

Deutsche Fotothek / Freimund Edlich. Diese Ansicht zeigt die Augustusbrücke 1864, einige Jahrzehnte vor ihrem Abbruch und Neubau

Albertbrücke

Jene Elbquerung von 1875 wies nach dem Zweiten Weltkrieg weniger Zerstörungen auf als die benachbarte Carolabrücke. So wurde sie 1946 mit verkleideten Stahlbetonbögen wieder aufgebaut. 2016 folgte eine Sanierung und Verbreiterung auf 22 m. Ihr Namensgeber König Albert war mit Königin Carola verheiratet.

Waldschlößchenbrücke

Diese moderne Elbquerung befindet sich östlich der Innenstadt. Die 2013 errichtete Stahlverbundkonstruktion ist die längste Dresdner Brücke mit einer Breite von 28,6 m und Baukosten von 74 Mio Euro. Mit ihr verbindet sich die als „Dresdner Brückenstreit“ bekannte Kontroverse: Ein Bürgerentscheid sprach sich mit 68 % für den Brückenbau aus, der jedoch zur Aberkennung des UNESCO-Welterbetitels „Dresdner Elbtal“ führte. Nach einem Gerichtsentscheid liegt bis heute keine gültige Baugenehmigung vor.

Blaues Wunder/Loschwitzer Brücke

Die im gleichnamigen Stadtteil 1893 errichtete Elbquerung ist als versteifte Hängebrücke aus konstruktiver Sicht besonders interessant. Ihr Ingenieur Claus Köpcke steht dem Oberbaurat Hermann Klette beim Bau der Königin-Carola-Brücke zur Seite.

Foto: Initiative Carolabrücke

Carolabrücke

Die Geschichte und Gegenwart der vierten Elbquerung

Die Pläne zur Bebauung der Neustädter Seite und ein angeregt diskutierter Ringstraßenprojekt nach Pariser Vorbild brachten die Stadtverwaltung bereits in den späten 1870er-Jahren zum Nachdenken über eine mögliche vierte Elbquerung zwischen der neu errichteten Albert- und der traditionsreichen Augustusbrücke. Realisiert wird das Projekt 1892-1895 nach Entwürfen des Oberbaurats Hermann Klette unter Mitwirkung des Ingenieurs Claus Köpcke, des Architekten Adalbert Pasdirek-Coreno und der Mitarbeiter des Dresdner Tiefbauamts. Schon damals hatte der Erhalt der Blickbeziehungen zur Dresdner Altstadt Priorität, sodass die erste Carolabrücke eine niedrigere Lage aufwies als die Brühlsche Terrasse. Bewusst wählte Klette eine neobarocke Gestaltung als Hommage an die Dresdner Architekturtradition.

Die erste Carolabrücke besaß Stahlfachwerkbögen über dem Flussfeld und gemauerte Korbbögen über den Uferbereichen. Sie verfügte über zahlreiche dekorative Elemente – darunter Werke verschiedener Künstler wie Hans Hartmann-McLean, Friedrich Offermann, Oskar Rühm und des o.g. Pasdirek-Coreno. Dazu gehören profilierte, genietete Stahlträger mit Gussdekorationen, bronzene Widmungsgruppen, Balustraden, Figuren am Brückenkopf, Uhrentürmchen und Sandsteinverkleidungen. Einige dieser Dekorationen waren nur als temporäre Dekorationen gedacht, wahrscheinlich zur Einweihung der Brücke. Dazu zählen die bekannt gewordenen „Pavillons“. Andere dekorative Elemente wurden im Planungsprozess in Erwägung gezogen, gelangten jedoch nicht zur Ausführung.

Königin-Carola-Brücke mit temporären Aufbauten. Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Die zweite Carolabrücke

Einen Tag vor Kriegsende sprengten SS-Truppen die erste Carolabrücke, um den Einzug sowjetischer Truppen nach Dresden einzudämmen. Aufgrund starker Schäden wurde nach dem Krieg auf einen Wiederaufbau wie bei der Albertbrücke verzichtet. Stattdessen folgte der Abbau des Stahlfachwerks und 1952 die Sprengung des verbliebenen Bogenträgers. Letztere Maßnahme dokumentierte Ernst Hirsch in einem siebenminütigen Film, der sich im Bestand der SLUB befindet.

Link zum Film: Carola-Brücke Dresden, Sprengung des alten Brückenträgers am 7. März 1952: Dokumentation – Katalog – SLUB Dresden (letzter Abruf, 05.03.2026)

Die Pfeiler der ersten Carolabrücke sind einige Jahre nach Kriegsende als Zeugnis der zerstörten Brücke zu sehen. / Foto: private Kollektion, 1956.

Die zweite Carolabrücke wurde 1971 als Dr. Rudolf-Friedrichs-Brücke eingeweiht. Der Bau aus Spannbeton nutzte den alten nördlichen Pfeilerstandort in der Elbe auf der Neustädter Seite und überspannte so 120 m. Die Elbquerung war Teil des Ausbaus der St. Petersburger Straße zu einer städtischen Magistrale, gedacht für ein hohes Aufkommen an Autoverkehr.

Ab 2019 erfolgte eine Sanierung der Brückenzüge A und B, eine Verbreiterung der Geh- und Radwege mittels Carbonbeton an den Kappen und ein Tausch der originalen DDR-Leuchten und Geländer durch Rekonstruktionen. 2022 erhielt die zweite Carolabrücke den Denkmalstatus wegen besonderer bau- und technikgeschichtlicher Bedeutung. Dieser wurde nach dem Einsturz von Brückenzug C aufgehoben.

Erste Carolabrücke in Kunst und Alltag

Fünfzig Jahre lang prägte die Königin-Carola-Brücke (1895-1945) die künstlerische und alltägliche Wahrnehmung Dresdens. In ihr verwirklichte sich der zeitgenössisch diskutierte und von Klette vertretene Imperativ, die Ingenieurswissenschaft in den Dienst der Ästhetik zu stellen: Zwar kenne der Berufszweig des Ingenieurs keine so lange Tradition der Auseinandersetzung mit Schönheit wie der Architektenstand, doch sollten speziell auch Ingenieurbauwerke die deutschen Städte mit ihrem Erscheinungsbild bereichern, schreibt er 1908. Für das sächsische Königshaus ist die von der Dresdner Stadtverwaltung geplante Brücke eine Würdigung der beliebten und in der Wohlfahrt tätigen Königin Carola sowie Symbol einer harmonischen Verbindung der Familie zu der Stadt Dresden, wie dies eine der Königin und der Personifikation der Stadt gewidmete Figur auf der Brücke zeigt. Für Künstler und Architekten, u.a. Gotthardt Kuehl, Hans Poelzig, Ernst Hassebrauk und Wilhelm Rudolph ist die Carolabrücke in ihrer Formensprache zwischen Tradition und Moderne stets eine wichtige Anregung, ein Ausgangspunkt zum Nachdenken über die Stadt, die Vergangenheit, den Barock und schließlich auch die Kriegserfahrung. Die zahlreichen Postkarten, die die Carolabrücke aus verschiedenen Perspektiven vor dem Hintergrund der Stadtsilhouette oder der Ministeriumsgebäude abbilden, weisen ihr stets den Status einer Dresdner Sehenswürdigkeit zu, der gewiss auch ins kollektive Gedächtnis der Bevölkerung einging.

Das Motivrepertoire der Fotografien und Postkarten

Die Fotografien, Postkarten und Gemälde der ersten Carolabrücke bedienen sich häufig eines spezifischen Motivrepertoires. Auffällig ist die Verbreitung von fünf ähnlichen Perspektiven auf den uns bisher bekannt gewordenen Bildzeugnissen. Sicherlich prägten diese auch die zeitgenössische Wahrnehmung der Königin-Carola-Brücke bis in die 1940er Jahre.

Deutsche Fotothek / Brück und Sohn

Dieses Motiv taucht spätestens um 1896 als Holzstich nach einer Fotografie von Römmler & Jonas in der überregionalen Unterhaltungszeitschrift „Ueber Land und Meer“ auf und verbreitet sich in mehreren Varianten v.a. auf Postkarten. Es erscheint uns als einer der häufigsten Blickwinkel auf die Carolabrücke. Er zeichnet sich durch eine Verbindung von Brücke und Altstadt sowie einen Fokus auf die Stahlfachwerkbögen aus. Das Motiv konnte unterschiedlich variiert werden, z.B. durch Erweiterung des Bildausschnitts, Kolorierung, Beschriftung der Sehenswürdigkeiten etc.

Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Auch hier rahmt die Carolabrücke die Altstadtsilhouette, allerdings stellt die Blickführung die Sandsteinbögen in den Vordergrund, weniger das Stahlfachwerk. Solche und ähnliche Fotografien und Postkarten erinnern an die Komposition eines Gemäldes von Gotthardt Kuehl, welches die Brücke ebenfalls als einen Rahmen der Altstadt deutet.

Deutsche Fotothek / Hans Wunderlich

Sowohl Sandsteinbögen als auch Stahlfachwerkbögen (dies jedoch häufiger) rahmen auf Fotografien den Blick auf die Altstadt von oben.

Deutsche Fotothek / Brück und Sohn

Dieses Motiv variiert stark in der Kolorierung und der Betonung der Stärke und Größe der Pfeiler. Einige dieser Ansichten verfügen über einen idyllischen Vordergrund, der die Brühlsche Terrasse darstellt. Gemeinsames Merkmal ist aber der Blick vom Altstädter Ufer und die kompositorische Verknüpfung vom Ministeriumsgebäude und Brücke. Dieses Motiv findet sich auf Fotografien, Gemälden und Zeichnungen.

Historische Postkarte aus der Sammlung der Initiative Carolabrücke, ca. 1905.

Spätestens ab 1898 entstanden Postkarten, welche die Carolabrücke gemeinsam mit anderen Dresdner Sehenswürdigkeiten abbildeten. Eine Art schnellem Überblick, Auswahl der Dresdner Wahrzeichen, Erinnerungsorte zum Verschenken. Die Einordnung unter solch namhafte Orte wie den Theaterplatz und den Zwinger zeugt von einer zeitgenössischen Wertschätzung der Elbquerung.

Gemälde und Zeichnungen

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Königin-Carola-Brücke begann kurz nach ihrer Eröffnung. Gotthardt Kuehl, Wegbereiter des Impressionismus in Dresden, der bereits während seines Parisaufenthalts Interesse an Brückenmotiven entwickelte, stellt in seinen Gemälden die Königin-Carola-Brücke als selbstverständlichen Teil der Altstadtsilhouette und des Dresdner Alltags – von Baustellen bis zu Badeanstalten – dar, als würde sie eine Verbindung zwischen diesen beiden Sphären erzeugen. Seine zwei Gemälde von 1900 bzw. 1902 befinden sich in den Sammlungen des Stadtmuseums.

Poelzig, Hans (1869-1936), Elbbrücke, Dresden: Ansicht. Foto auf Karton, 28,00 x 46,00 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 2747.

Während seines Dresdner Aufenthalts 1916-1920 würdigt auch Hans Poelzig die Beziehung der Königin-Carola-Brücke zum historischen Stadtbild, interessiert sich jedoch stärker für ihre modernen Komponenten: Die im Vergleich zu ihren Nachbarbrücken hohe Spannweite und die Stahlfachwerkkonstruktion.

Deutsche Fotothek / Bernd Walter – Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister

In den 1950er-Jahren interessiert sich Ernst Hassebrauk für die barocke Formensprache der Elbquerung. Für ihn ist die Carolabrücke jedoch auch ein Zeugnis der Zerstörung Dresdens nach 1945, die er mithilfe seiner Kunst zu verarbeiten sucht. Gerade die Symbiose, die die damals moderne Königin-Carola-Brücke mit der Stadtsilhouette einging, wird hier erinnert, um einen Bruch in der Geschichte Dresdens zu dokumentieren. Hassebrauks Zeichnungen befinden sich u.a. in den Sammlungen des Stadtmuseums und der Deutschen Fotothek.

Weitere Künstler, die die Carolabrücke in ihren Werken darstellten:

Vor 1945 – Carolabrücke als Dresdner Sehenswürdigkeit

  • Siegfried Mackowsky – Ohne Titel, Anfang 20. Jhd. Festung Königstein, Stiftung Wolfgang Donath, Inv.-Nr. G 4500. Publiziert in: Marx/Friedrich 2024.
  • Unbekannt – Dresden, Anfang 20. Jhd. Festung Königstein, Stiftung Wolfgang Donath, Inv.-Nr. G 4472. Publiziert in: Marx/Friedrich 2024.
  • Fritz Leopold Henning – Ohne Titel, nach 1902. Festung Königstein, Stiftung Wolfgang Donath, Inv.-Nr. 4468. Henning ist ein Schüler Gotthardt Kuehls. Publiziert in: Marx/Friedrich 2024.
  • Walter Zeising – 1905 (Stadtmuseum)
  • Eugen Teichs – 1926 (Stadtmuseum)
  • Richard Mauff – 1929 (Stadtmuseum)

Ab 1945 – Carolabrücke und Kriegserfahrung

  • Otto Griebel – Brennendes Dresden, 14. Februar 1945. Publiziert in: Förster 1984.
  • Willi K. Baum – 1947 (Stadtmuseum)
  • Wilhelm Rudolph – 1953 (SKD)
  • Martha Rolle – 1954 (Stadtmuseum)
  • Rudolf Bergander – 1966 (Stadtmuseum)
  • Ernst Günther Neumann – Druckgrafik, ca. 1980 (Stadtmuseum).

Materielle Zeugnisse der Königin-Carola-Brücke

Einige materielle Zeugnisse der Carolabrücke sind noch erhalten. Sie befinden sich im Stadtmuseum, im Lapidarium oder am ursprünglichen Standort der Brücke.

Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Wie es den Bildquellen zu entnehmen ist, schlossen die Plastiken „ruhige Elbe“ und „bewegte Elbe“ das Gelände der Brücke ab, begrenzten den Elb- und Hasenberg sowie die Fahrbahn der Brücke. Die ursprüngliche Breite von ca. 16 m lässt sich am Abstand dieser beiden Figuren bis heute nachvollziehen. Die von Friedrich Offermann geschaffenen und 1907 aufgestellten Skulpturen zeigen Triton und Nereide – Protagonisten der griechischen Mythologie, die einen festen Bestandteil der europäischen Antikenrezeption in Kunst und Literatur darstellen. Über Jahrhunderte erfuhr ihr Charakter, ihre äußere Gestalt sowie ihre Beziehung zueinander variierende Interpretationen. Hier dient die Königin-Carola-Brücke dem Bildhauer als Anlass, um mithilfe der antiken Motive und Erzählrahmen über den Charakter der Elbe und die Beziehung der Dresdner zu ihrem Fluss nachzudenken.

Foto: Initiative Carolabrücke e.V.
Deutsche Fotothek / Gerhard Döring. Das Gusseisenrelief befindet sich in der rechten unteren Ecke des Fotos.

Dieses gusseiserne Relief wurde im Juni 2025 geborgen und wird seitdem im Lapidarium aufbewahrt. Es lässt sich gut anhand der historischen Fotografie aus Klettes Publikation zur Carolabrücke von 1897 lokalisieren.

Bei Aufräumarbeiten an der Baustelle der abgerissenen Carolabrücke wurden weitere Artefakte entdeckt, die wir im Umfeld des Reliefs verorten oder als Teile der Brüstung identifizieren. Auch diese wurden von Hentschke Bau in Abstimmung mit der Stadt geborgen.

In der Dauerausstellung des Stadtmuseums befindet sich eine Bronzetafel mit der Darstellung der Königin-Carola-Brücke und einer Würdigung des Oberbaurats Klette. Ihr ursprünglicher Ort war das Uhr- und Wettertürmchen auf der Altstädter Seite der Brücke. Sie liefert einige Zahlen zur Elbquerung und ihrer Baugeschichte sowie meteorologische Statistiken zu Dresden. (Quelle: Hilbert 2014, S. 64-65)

Zwei nicht-erhaltene Plastiken schmückten die Carolabrücke auf der Neustädter Seite und repräsentierten die Beziehung zwischen dem Bauwerk, der Stadt und dem Königshaus aus der Sicht des Letzteren: Ein Flussgott von Oskar Rühm (oben) und ein Medaillon der Königin Carola mit der Allegorie der Stadt Dresden (Dresdensia) von Hans-Hartmann McLean (unten). Beide Figuren dienen auch als Postkartenmotiv.

Die Kanzel: Ein notwendiges Element historisierender Gestaltung

Neben der Bogenform zeichnete sich die Königin-Carola-Brücke durch ihre imposanten Kanzeln aus, die den berühmten Blick auf die Stadtsilhouette ermöglichten und Platz für künstlerische Interpretationen des Brückenraums boten. Wir erachten die Kanzel für einen notwendigen Bestandteil eines historisierenden Neubaus und werfen in dem nachfolgenden Aufsatz daher einen genauen Blick auf den kulturhistorischen Hintergrund dieses architektonischen Elements und auf seine Bedeutung für die Königin-Carola-Brücke.

Carolabrücke nach historischem Vorbild und ihr Rückhalt in der Bevölkerung

Das historische Vorbild genießt weitreichende Unterstützung

Kurz nach dem Einsturz der zweiten Carolabrücke verbreiteten sich Bilder ihrer Vorgängerin in den Medien und Sozialen Netzwerken. Begleitet wurde diese Neugier von der Idee, beim kommenden Neubau auf das Brückenvorbild von 1895 zurückzugreifen. Dieser Wunsch der Dresdner Bevölkerung äußerte sich schon bald in drei Petitionen, darunter jene von Lennart Rademacher und Philipp Bammes, den Gründungsmitgliedern der Initiative Carolabrücke e.V. Die ca. 26.000 Unterschriften sind ein starkes Signal für eine dritte Carolabrücke, die sich gestalterisch an der ersten, historistischen Elbquerung, orientiert.

Die Petitionen

  • Lennart Rademacher: Wiederaufbau der Carolabrücke nach historischem Vorbild. openPetition: 2755 Unterschriften.
  • Philipp Bammes: Wiederaufbau der Carolabrücke nach historischem Vorbild. e-Petition auf dresden.de: 8432 Unterschriften.
  • Susan Reif: Wiederaufbau der historischen Carolabrücke wie vor 150 Jahren. change.org: 16051 Unterschriften.

Insgesamt erzielten drei Petitionen für einen historisierenden Wiederaufbau 27.238 Unterschriften (Stand: 02.03.2026)

Die Petition von Philipp Bammes wird derzeit vom Petitionsausschuss der Stadt Dresden bearbeitet.

Interesse und Zustimmung bleiben bestehen…

Im Januar und März 2025, vier bzw. sechs Monate nach dem Einsturz der zweiten Carolabrücke, führten reichweitenstarke Dresdner Medien, Dresdner Neueste Nachrichten (DNN) und Sächsische Zeitung (SZ) Leserumfragen durch. Die Fragen: „Wie stellen Sie sich den Nachfolger der Carolabrücke vor?“ und „In welcher Art und wie schnell sollte die Carolabrücke in Dresden ihrer Meinung nach wieder aufgebaut werden?“. In beiden Umfragen wurde ein Neubau nach historischem Vorbild von 1895 mit 41% und 58% deutlich favorisiert.

Die Ergebnisse der DNN-Umfrage im Kreisdiagramm. Die Umfrage besitzt einen humoristischen Unterton und zeigt dennoch klare Unterstützung einer Brücke nach historischem Vorbild. Grafik: Initiative Carolabrücke.

Gründe für einen historisierenden Neubau

Warum sollte sich Dresden für eine Carolabrücke nach historischem Vorbild entscheiden?

Neben der Unterstützung der Dresdnerinnen und Dresdner sprechen weitere Argumente für einen Neubau der Carolabrücke nach historischem Vorbild: Die Tradition und der Erfolg des Wiederaufbaus in Dresden, Chancen für die städtebauliche Entwicklung der Pirnaischen Vorstadt, vielversprechende Qualität und wirtschaftliche Vorteile, u.a. im touristischen Bereich. Unsere Broschüre fasst diese Argumente zusammen:

Umsetzbarkeit

Zu Fragen der Finanzierung und den rechtlichen Bedingungen

Finanzierung

Die Finanzierung der dritten Carolabrücke ist ein sensibles Thema. 150 Millionen Euro sind für den Neubau vorgesehen – eine hohe finanzielle Belastung für die Stadt. Hinzu kommt, dass genaue Kostenschätzungen neuer Brückenbauprojekte aufwändig sind.

Dennoch sieht die Initiative Carolabrücke Lösungswege, um die Kosten zu verringern bzw. neue Mittel für den Brückenneubau zu gewinnen:

Aus dem Gespräch mit den Gewinnern des Wettbewerbs der TU:

Unsere Visualisierung zeigt Plan C, den Siegerentwurf des Wettbewerbs der TU, in der Elblandschaft. Die Verschiebung des Pfeilerstandorts sowie das freibleibende Fahrwasser sind hier erkennbar. Erstellt mit Genehmigung des Entwurfsteams.

Aus unserem Aktionsprogramm:

  • Die Stadt verfügt über ungenutzte Flächen rund um die St. Petersburger Straße. Durch ihren Verkauf oder die Vergabe von Erbbaurechten lassen sich Einnahmen erzielen, die z.B. für den Brückenneubau zur Verfügung stünden.
  • Fördermittel nutzen: Ein visionäres Projekt hätte hohe Chancen, Fördermittel für seine Realisierung zu gewinnen.
  • Stadtanleihe nach Münchner Vorbild
  • Spendenbereitschaft nutzen: Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer eines Wiederaufbaus nach historischem Vorbild wären bereit, spätere gestalterische Ergänzungen durch ihre Spende mitzufinanzieren, wie dies bereits in anderen Städten erfolgreich geschah.

Historisierende Carolabrücke als Ersatzneubau?

Ja, das ist möglich. Eine planungsrechtliche Stellungnahme im Auftrag der Initiative Carolabrücke e.V. kommt auf Basis des Rechtsgutachtens der Kanzler Redeker, Sellner und Dahs vom April 2025 zu dem Schluss, dass eine historisierende Gestaltung nicht als planfeststellungspflichtige erhebliche Änderung des Bauwerks zu bewerten ist, da keine Kapazitätserhöhung vorliegt. Mehr dazu in unserer Pressemitteilung: https://initiative-carolabruecke.de/2025/09/15/pressemitteilung-planungsrechtliche-stellungnahme-zum-historisierenden-wiederaufbau/

Glossar

Erklärung wichtiger Begriffe der aktuellen Diskussion

Ersatzneubau – eine Brücke gilt dann als Ersatzneubau, wenn sie im Rahmen eines vereinfachten Genehmigungsverfahrens zur Umsetzung gelangt, was sich der Stadtrat und die Stadtverwaltung für den Neubau der Carolabrücke wünschen. Dieser rechtliche Weg ist nur bei Schäden eines Vorgängerbauwerks möglich und bringt konstruktive sowie gestalterische Einschränkungen mit sich. Wie eine planungsrechtliche Stellungnahme im Auftrag der Initiative Carolabrücke e.V. gezeigt hat, ist eine Carolabrücke nach historischem Vorbild trotz jener Einschränkungen als Ersatzneubau möglich.

Hilfsbrücke – eine temporäre Brücke, meistens aus vorgefertigten Elementen zusammengesetzt. Wird v.a. für die Aufrechterhaltung des Verkehrsflusses während der Baumaßnahmen an Flussquerungen verwendet, so z.B. 2015 eine Hilfsbrücke an der Albertbrücke für Fußgänger und Radfahrer. Die Fachfirma Systec erstellte 2025 das Konzept für eine mögliche Dresdner Hilfsbrücke an der Stelle der eingestürzten Carolabrücke. Der Stadtrat verfolgte die Idee einer Hilfsbrücke nicht weiter.

Historisierend – wenn von einer „historisierenden“ Gestaltung bzw. einer Gestaltung nach historischem Vorbild gesprochen wird, ist eine Orientierung an der Ästhetik eines alten Bauwerks unter Berücksichtigung moderner verkehrstechnischer oder städtebaulicher Erfordernisse gemeint.

Plan C – studentischer Entwurf einer neuen Carolabrücke als Bogenbrücke aus Stahlelementen von Hans Bolz, Marc Lilienthal, Ferdinand Schulte zu Sodingen und Linus Witzel. Sieger des Studierendenwettbewerbs der TU Dresden, allerdings kein Bestandteil der offiziellen Planungen der Stadt.

Planungsbüros bzw. Planungsteams – in einem Auswahlverfahren wurden vier Planungsteams, bestehend aus Ingenieur- und Architekturbüros, von der Stadt mit der Ausarbeitung von Entwürfen einer neuen Carolabrücke beauftragt: FHECOR Deutschland GmbH mit dem Partner Planungsgesellschaft mbH TSSB (1), Ingenieurbüro Grassl GmbH (2), Leonhardt, Andrä und Partner, beratende Ingenieure VBI AG (3) und Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH (4). Die Entwürfe sollen im Mai 2026 vorliegen.

Planfeststellungsverfahren – ein rechtliches Verfahren für die Genehmigung von Brückenneubauten, das eine umfassende Berücksichtigung der Belange aller Betroffenen vorsieht.

Sandstein – ein in Dresden verbreitetes Material mit lokaler Tradition. Im Brückenbau wird er als Verkleidung zu dekorativen Zwecken genutzt, während die entsprechenden Brücken selbst meistens aus Beton bestehen. Das gilt auch für die Bogenbrücken der Innenstadt.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Eine Übersicht zeitgenössischer Texte und aktueller Literatur für weitere Forschung

Quellen

Zeitgenössische Schriftzeugnisse über die Königin-Carola-Brücke umfassen Fachpublikationen, lokalgeschichtliche Betrachtungen und Zeitungsartikel (wie z.B. die in der SLUB digitalisierten Dresdner Nachrichten). Besonders hervorzuheben ist ein Fachaufsatz Hermann Klettes zur Aufgabenstellung und zum Baugeschehen an der Carolabrücke sowie die Stadtchronik des Archivars Otto Richter, die den Brückenbau in die Geschichte der Dresdner Stadterweiterung einordnet.

Klette, Hermann: Die Königin-Carola-Brücke in Dresden. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen. Heft 5 (1897), Sp. 313–338.

Otto Richter: Geschichte der Stadt Dresden in den Jahren 1871 bis 1902. Werden und Wachsen einer deutschen Großstadt. Dresden 1903.

Sekundärliteratur

Die Königin-Carola-Brücke wird in journalistischen Recherchen, Ausstellungskatalogen und lokalgeschichtlichen Publikationen, in übergreifenden Betrachtungen Dresdner Brücken und insbesondere im Zusammenhang mit der zweiten Carolabrücke (1971) thematisiert. Trotz einer kulturgeschichtlichen Bedeutung wurde sie nach unserer Kenntnis bislang noch nicht in einer eigenständigen geschichts- oder kunstwissenschaftlichen Publikation betrachtet, u.a. aber hier:

Fiedler, Erich (2008): Brücken der Stadterweiterung. Albertbrücke – Carolabrücke – Flügelwegbrücke. In: Hans-Peter Lühr (Hg.): Dresdner Elbbrücken in acht Jahrhunderten. Dresden (= Dresdner Hefte 26.2), S. 51-60.

Förster, Rudolf (1984): Dresden. Geschichte der Stadt in Wort und Bild. Berlin. (Enthält Abbildungen von Gemälden, die die Carolabrücke zum Gegenstand haben).

Hilbert, Peter (2014): Dresdner Brücken. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dresden (=edition Sächsische Zeitung).

Hilbert, Peter (2025): Der Brückeneinsturz – Dramatische Ereignisse, Geschichte und Geschichten rund um die Carolabrücke und andere Dresdner Elbebrücken. Dresden. [Dies ist eine Neuerscheinung, die unsere Initiative noch nicht konsultiert hat. Das Werk wird derzeit von der SLUB erworben]

Marx, Harald/Friedrich, Hans (2024): Entlang der Elbe. Das alte Sachsen in Gemälden der Sammlung Wolfgang Donath. Markkleeberg. (Enthält Abbildungen von Gemälden der Sammlung, die die Carolabrücke zum Gegenstand haben)

Sauer, Christoph/Dietze, Claudia (2025): Fundstück aus dem ISGV – im September 2025. Das Auf und Ab der Dresdner Carolabrücke. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hg.): Aktuelles. Fundstücke des Monats. (Online verfügbar unter https://www.isgv.de/aktuelles/fundstuecke/details/fundstueck-aus-dem-isgv-im-september-2025, letzter Abruf: 09.12.2025)

Scheerer, Silke et al (2025): Die wechselvolle Geschichte der Carolabrücke in Dresden. In: Marx, Steffen (Hg.): Tagungsband 34. Dresdner Brückenbausymposium. Dresden, S. 15-33 (Online verfügbar unter https://doi.org/10.25368/2025.054, letzter Abruf 09.12.2025).