Wissenswertes

Dresdner Brücken

Das Dresdner Brückenensemble als Kontext der Carolabrücke

Dresdens Geschichte ist eine Geschichte der Brücken. Bereits im Hochmittelalter verbindet die berühmteste von ihnen, die Augustusbrücke, das Alt- und Neustädter Ufer. Im 19. Jahrhundert entsteht nahe der Altstadtsilhouette ein Ensemble aus vier Elbquerungen, die gemeinsam den Blick auf Dresden prägen. Auch spätere Konstruktionen zeigen ihre Wirkung auf den Charakter der Stadt und sorgen für angeregte Diskurse. Dies sind die Dresdner Brücken im Überblick (von West nach Ost):

Marienbrücke

Die Elbquerung westlich der Augustusbrücke ist eine Steinbogenbrücke von 1852. Wegen des Abbruchs und Neubaus der Augustusbrücke um 1910 ist sie heute die älteste Dresdner Brücke und besitzt zugleich die engste Durchfahrtsbreite auf der Elbe. 2002 wurde eine Fahrbahnverbreiterung unter Beibehaltung des historischen Erscheinungsbilds in Richtung Altstadt vorgenommen. Zwei Jahre später folgte der Neubau einer auf 1901 zurückgehenden benachbarten Eisenbahnbrücke aus Spannbeton, der zur Entfernung der vormaligen stählernen Brückenbögen führte, die historischen Stützweiten jedoch beibehielt. Die neue Eisenbahnbrücke wurde fünfgleisig und kostete 75 Millionen Euro. Die Marienbrücke bietet eine von Dresdnern geschätzte Aussicht auf das Stadtpanorama.

Deutsche Fotothek / Paul Wolff

Augustusbrücke

Bereits in einer Quelle von 1234 wurde eine Brücke an der Stelle der heutigen Augustusbrücke erwähnt. Obwohl sie im Laufe ihrer Geschichte mehrmals ihre Gestalt veränderte, aber auch Kriegen und Überschwemmungen ausgesetzt war, behielt sie ihren zentralen Standort im Dresdner Zentrum bei. Ursprünglich war die Brücke 560 m lang, 8,5 m breit mit 24 Bögen, zusammengesetzt aus in Kalkmörtel eingebetteten Bruchsteinen, außen mit Sandsteinquadern verkleidet. Ihre bekannteste Umgestaltung zu einer Elbquerung mit 11 m Breite und 17 Bögen erfuhr die Brücke 1727 unter Pöppelmann. In dieser Gestalt ist die Brücke auf den Gemälden Canalettos zu sehen. Da sie nicht länger den Verkehrsanforderungen des beginnenden 20. Jahrhunderts entsprach, entschied sich die Stadtverwaltung für einen Abbruch und Neubau unter Beachtung der barocken Ästhetik. So entstand 1910 die heutige Augustusbrücke mit 18 m Breite und 9 Bögen auf 4 Strompfeilern, eine Dreigelenkbogenbrücke aus Stampfbeton mit Sandsteinverkleidung.

Deutsche Fotothek / Freimund Edlich. Diese Ansicht zeigt die Augustusbrücke 1864, einige Jahrzehnte vor ihrem Abbruch und Neubau

Albertbrücke

Jene Elbquerung von 1875 wies nach dem Zweiten Weltkrieg weniger Zerstörungen auf als die benachbarte Carolabrücke. So wurde sie 1946 mit verkleideten Stahlbetonbögen wieder aufgebaut. 2016 folgte eine Sanierung und Verbreiterung auf 22 m. Ihr Namensgeber König Albert war mit Königin Carola verheiratet.

Waldschlößchenbrücke

Diese moderne Elbquerung befindet sich östlich der Innenstadt. Die 2013 errichtete Stahlverbundkonstruktion ist die längste Dresdner Brücke mit einer Breite von 28,6 m und Baukosten von 74 Mio Euro. Mit ihr verbindet sich die als „Dresdner Brückenstreit“ bekannte Kontroverse: Ein Bürgerentscheid sprach sich mit 68 % für den Brückenbau aus, der jedoch zur Aberkennung des UNESCO-Welterbetitels „Dresdner Elbtal“ führte. Nach einem Gerichtsentscheid liegt bis heute keine gültige Baugenehmigung vor.

Blaues Wunder/Loschwitzer Brücke

Die im gleichnamigen Stadtteil 1893 errichtete Elbquerung ist als versteifte Hängebrücke aus konstruktiver Sicht besonders interessant. Ihr Ingenieur Claus Köpcke steht dem Oberbaurat Hermann Klette beim Bau der Königin-Carola-Brücke zur Seite.

Foto: Initiative Carolabrücke

Carolabrücke

Die Geschichte und Gegenwart der vierten Elbquerung

Die Pläne zur Bebauung der Neustädter Seite und ein angeregt diskutierter Ringstraßenprojekt nach Pariser Vorbild brachten die Stadtverwaltung bereits in den späten 1870er-Jahren zum Nachdenken über eine mögliche vierte Elbquerung zwischen der neu errichteten Albert- und der traditionsreichen Augustusbrücke. Realisiert wird das Projekt 1892-1895 nach Entwürfen des Oberbaurats Hermann Klette unter Mitwirkung des Ingenieurs Claus Köpcke, des Architekten Adalbert Pasdirek-Coreno und der Mitarbeiter des Dresdner Tiefbauamts. Schon damals hatte der Erhalt der Blickbeziehungen zur Dresdner Altstadt Priorität, sodass die erste Carolabrücke eine niedrigere Lage aufwies als die Brühlsche Terrasse. Bewusst wählte Klette eine neobarocke Gestaltung als Hommage an die Dresdner Architekturtradition.

Die erste Carolabrücke besaß Stahlfachwerkbögen über dem Flussfeld und gemauerte Korbbögen über den Uferbereichen. Sie verfügte über zahlreiche dekorative Elemente – darunter Werke verschiedener Künstler wie Hans Hartmann-McLean, Friedrich Offermann, Oskar Rühm und des o.g. Pasdirek-Coreno. Dazu gehören profilierte, genietete Stahlträger mit Gussdekorationen, bronzene Widmungsgruppen, Balustraden, Figuren am Brückenkopf, Uhrentürmchen und Sandsteinverkleidungen. Einige dieser Dekorationen waren nur als temporäre Dekorationen gedacht, wahrscheinlich zur Einweihung der Brücke. Dazu zählen die bekannt gewordenen „Pavillons“. Andere dekorative Elemente wurden im Planungsprozess in Erwägung gezogen, gelangten jedoch nicht zur Ausführung.

Königin-Carola-Brücke mit temporären Aufbauten. Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Die zweite Carolabrücke

Einen Tag vor Kriegsende sprengten SS-Truppen die erste Carolabrücke, um den Einzug sowjetischer Truppen nach Dresden einzudämmen. Aufgrund starker Schäden wurde nach dem Krieg auf einen Wiederaufbau wie bei der Albertbrücke verzichtet. Stattdessen folgte der Abbau des Stahlfachwerks und 1952 die Sprengung des verbliebenen Bogenträgers. Letztere Maßnahme dokumentierte Ernst Hirsch in einem siebenminütigen Film, der sich im Bestand der SLUB befindet.

Link zum Film: Carola-Brücke Dresden, Sprengung des alten Brückenträgers am 7. März 1952: Dokumentation – Katalog – SLUB Dresden (letzter Abruf, 05.03.2026)

Die Pfeiler der ersten Carolabrücke sind einige Jahre nach Kriegsende als Zeugnis der zerstörten Brücke zu sehen. / Foto: private Kollektion, 1956.

Die zweite Carolabrücke wurde 1971 als Dr. Rudolf-Friedrichs-Brücke eingeweiht. Der Bau aus Spannbeton nutzte den alten nördlichen Pfeilerstandort in der Elbe auf der Neustädter Seite und überspannte so 120 m. Die Elbquerung war Teil des Ausbaus der St. Petersburger Straße zu einer städtischen Magistrale, gedacht für ein hohes Aufkommen an Autoverkehr.

Ab 2019 erfolgte eine Sanierung der Brückenzüge A und B, eine Verbreiterung der Geh- und Radwege mittels Carbonbeton an den Kappen und ein Tausch der originalen DDR-Leuchten und Geländer durch Rekonstruktionen. 2022 erhielt die zweite Carolabrücke den Denkmalstatus wegen besonderer bau- und technikgeschichtlicher Bedeutung. Dieser wurde nach dem Einsturz von Brückenzug C aufgehoben.

Erste Carolabrücke in Kunst und Alltag

Fünfzig Jahre lang prägte die Königin-Carola-Brücke (1895-1945) die künstlerische und alltägliche Wahrnehmung Dresdens. In ihr verwirklichte sich der zeitgenössisch diskutierte und von Klette vertretene Imperativ, die Ingenieurswissenschaft in den Dienst der Ästhetik zu stellen: Zwar kenne der Berufszweig des Ingenieurs keine so lange Tradition der Auseinandersetzung mit Schönheit wie der Architektenstand, doch sollten speziell auch Ingenieurbauwerke die deutschen Städte mit ihrem Erscheinungsbild bereichern, schreibt er 1908. Für das sächsische Königshaus ist die von der Dresdner Stadtverwaltung geplante Brücke eine Würdigung der beliebten und in der Wohlfahrt tätigen Königin Carola sowie Symbol einer harmonischen Verbindung der Familie zu der Stadt Dresden, wie dies eine der Königin und der Personifikation der Stadt gewidmete Figur auf der Brücke zeigt. Für Künstler und Architekten, u.a. Gotthardt Kuehl, Hans Poelzig, Ernst Hassebrauk und Wilhelm Rudolph ist die Carolabrücke in ihrer Formensprache zwischen Tradition und Moderne stets eine wichtige Anregung, ein Ausgangspunkt zum Nachdenken über die Stadt, die Vergangenheit, den Barock und schließlich auch die Kriegserfahrung. Die zahlreichen Postkarten, die die Carolabrücke aus verschiedenen Perspektiven vor dem Hintergrund der Stadtsilhouette oder der Ministeriumsgebäude abbilden, weisen ihr stets den Status einer Dresdner Sehenswürdigkeit zu, der gewiss auch ins kollektive Gedächtnis der Bevölkerung einging.

Das Motivrepertoire der Fotografien und Postkarten

Die Fotografien, Postkarten und Gemälde der ersten Carolabrücke bedienen sich häufig eines spezifischen Motivrepertoires. Auffällig ist die Verbreitung von fünf ähnlichen Perspektiven auf den uns bisher bekannt gewordenen Bildzeugnissen. Sicherlich prägten diese auch die zeitgenössische Wahrnehmung der Königin-Carola-Brücke bis in die 1940er Jahre.

Deutsche Fotothek / Brück und Sohn

Dieses Motiv taucht spätestens um 1896 als Holzstich nach einer Fotografie von Römmler & Jonas in der überregionalen Unterhaltungszeitschrift „Ueber Land und Meer“ auf und verbreitet sich in mehreren Varianten v.a. auf Postkarten. Es erscheint uns als einer der häufigsten Blickwinkel auf die Carolabrücke. Er zeichnet sich durch eine Verbindung von Brücke und Altstadt sowie einen Fokus auf die Stahlfachwerkbögen aus. Das Motiv konnte unterschiedlich variiert werden, z.B. durch Erweiterung des Bildausschnitts, Kolorierung, Beschriftung der Sehenswürdigkeiten etc.

Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Auch hier rahmt die Carolabrücke die Altstadtsilhouette, allerdings stellt die Blickführung die Sandsteinbögen in den Vordergrund, weniger das Stahlfachwerk. Solche und ähnliche Fotografien und Postkarten erinnern an die Komposition eines Gemäldes von Gotthardt Kuehl, welches die Brücke ebenfalls als einen Rahmen der Altstadt deutet.

Deutsche Fotothek / Hans Wunderlich

Sowohl Sandsteinbögen als auch Stahlfachwerkbögen (dies jedoch häufiger) rahmen auf Fotografien den Blick auf die Altstadt von oben.

Deutsche Fotothek / Brück und Sohn

Dieses Motiv variiert stark in der Kolorierung und der Betonung der Stärke und Größe der Pfeiler. Einige dieser Ansichten verfügen über einen idyllischen Vordergrund, der die Brühlsche Terrasse darstellt. Gemeinsames Merkmal ist aber der Blick vom Altstädter Ufer und die kompositorische Verknüpfung vom Ministeriumsgebäude und Brücke. Dieses Motiv findet sich auf Fotografien, Gemälden und Zeichnungen.

Historische Postkarte aus der Sammlung der Initiative Carolabrücke, ca. 1905.

Spätestens ab 1898 entstanden Postkarten, welche die Carolabrücke gemeinsam mit anderen Dresdner Sehenswürdigkeiten abbildeten. Eine Art schnellem Überblick, Auswahl der Dresdner Wahrzeichen, Erinnerungsorte zum Verschenken. Die Einordnung unter solch namhafte Orte wie den Theaterplatz und den Zwinger zeugt von einer zeitgenössischen Wertschätzung der Elbquerung.

Gemälde und Zeichnungen

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Königin-Carola-Brücke begann kurz nach ihrer Eröffnung. Gotthardt Kuehl, Wegbereiter des Impressionismus in Dresden, der bereits während seines Parisaufenthalts Interesse an Brückenmotiven entwickelte, stellt in seinen Gemälden die Königin-Carola-Brücke als selbstverständlichen Teil der Altstadtsilhouette und des Dresdner Alltags – von Baustellen bis zu Badeanstalten – dar, als würde sie eine Verbindung zwischen diesen beiden Sphären erzeugen. Seine zwei Gemälde von 1900 bzw. 1902 befinden sich in den Sammlungen des Stadtmuseums.

Poelzig, Hans (1869-1936), Elbbrücke, Dresden: Ansicht. Foto auf Karton, 28,00 x 46,00 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 2747.

Während seines Dresdner Aufenthalts 1916-1920 würdigt auch Hans Poelzig die Beziehung der Königin-Carola-Brücke zum historischen Stadtbild, interessiert sich jedoch stärker für ihre modernen Komponenten: Die im Vergleich zu ihren Nachbarbrücken hohe Spannweite und die Stahlfachwerkkonstruktion.

Deutsche Fotothek / Bernd Walter – Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister

In den 1950er-Jahren interessiert sich Ernst Hassebrauk für die barocke Formensprache der Elbquerung. Für ihn ist die Carolabrücke jedoch auch ein Zeugnis der Zerstörung Dresdens nach 1945, die er mithilfe seiner Kunst zu verarbeiten sucht. Gerade die Symbiose, die die damals moderne Königin-Carola-Brücke mit der Stadtsilhouette einging, wird hier erinnert, um einen Bruch in der Geschichte Dresdens zu dokumentieren. Hassebrauks Zeichnungen befinden sich u.a. in den Sammlungen des Stadtmuseums und der Deutschen Fotothek.

Weitere Künstler, die die Carolabrücke in ihren Werken darstellten:

Vor 1945 – Carolabrücke als Dresdner Sehenswürdigkeit

  • Siegfried Mackowsky – Ohne Titel, Anfang 20. Jhd. Festung Königstein, Stiftung Wolfgang Donath, Inv.-Nr. G 4500. Publiziert in: Marx/Friedrich 2024.
  • Unbekannt – Dresden, Anfang 20. Jhd. Festung Königstein, Stiftung Wolfgang Donath, Inv.-Nr. G 4472. Publiziert in: Marx/Friedrich 2024.
  • Fritz Leopold Henning – Ohne Titel, nach 1902. Festung Königstein, Stiftung Wolfgang Donath, Inv.-Nr. 4468. Henning ist ein Schüler Gotthardt Kuehls. Publiziert in: Marx/Friedrich 2024.
  • Walter Zeising – 1905 (Stadtmuseum)
  • Eugen Teichs – 1926 (Stadtmuseum)
  • Richard Mauff – 1929 (Stadtmuseum)

Ab 1945 – Carolabrücke und Kriegserfahrung

  • Otto Griebel – Brennendes Dresden, 14. Februar 1945. Publiziert in: Förster 1984.
  • Willi K. Baum – 1947 (Stadtmuseum)
  • Wilhelm Rudolph – 1953 (SKD)
  • Martha Rolle – 1954 (Stadtmuseum)
  • Rudolf Bergander – 1966 (Stadtmuseum)
  • Ernst Günther Neumann – Druckgrafik, ca. 1980 (Stadtmuseum).

Materielle Zeugnisse der Königin-Carola-Brücke

Einige materielle Zeugnisse der Carolabrücke sind noch erhalten. Sie befinden sich im Stadtmuseum, im Lapidarium oder am ursprünglichen Standort der Brücke.

Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Wie es den Bildquellen zu entnehmen ist, schlossen die Plastiken „ruhige Elbe“ und „bewegte Elbe“ das Gelände der Brücke ab, begrenzten den Elb- und Hasenberg sowie die Fahrbahn der Brücke. Die ursprüngliche Breite von ca. 16 m lässt sich am Abstand dieser beiden Figuren bis heute nachvollziehen. Die von Friedrich Offermann geschaffenen und 1907 aufgestellten Skulpturen zeigen Triton und Nereide – Protagonisten der griechischen Mythologie, die einen festen Bestandteil der europäischen Antikenrezeption in Kunst und Literatur darstellen. Über Jahrhunderte erfuhr ihr Charakter, ihre äußere Gestalt sowie ihre Beziehung zueinander variierende Interpretationen. Hier dient die Königin-Carola-Brücke dem Bildhauer als Anlass, um mithilfe der antiken Motive und Erzählrahmen über den Charakter der Elbe und die Beziehung der Dresdner zu ihrem Fluss nachzudenken.

Foto: Initiative Carolabrücke e.V.
Deutsche Fotothek / Gerhard Döring. Das Gusseisenrelief befindet sich in der rechten unteren Ecke des Fotos.

Dieses gusseiserne Relief wurde im Juni 2025 geborgen und wird seitdem im Lapidarium aufbewahrt. Es lässt sich gut anhand der historischen Fotografie aus Klettes Publikation zur Carolabrücke von 1897 lokalisieren.

Bei Aufräumarbeiten an der Baustelle der abgerissenen Carolabrücke wurden weitere Artefakte entdeckt, die wir im Umfeld des Reliefs verorten oder als Teile der Brüstung identifizieren. Auch diese wurden von Hentschke Bau in Abstimmung mit der Stadt geborgen.

In der Dauerausstellung des Stadtmuseums befindet sich eine Bronzetafel mit der Darstellung der Königin-Carola-Brücke und einer Würdigung des Oberbaurats Klette. Ihr ursprünglicher Ort war das Uhr- und Wettertürmchen auf der Altstädter Seite der Brücke. Sie liefert einige Zahlen zur Elbquerung und ihrer Baugeschichte sowie meteorologische Statistiken zu Dresden. (Quelle: Hilbert 2014, S. 64-65)

Zwei nicht-erhaltene Plastiken schmückten die Carolabrücke auf der Neustädter Seite und repräsentierten die Beziehung zwischen dem Bauwerk, der Stadt und dem Königshaus aus der Sicht des Letzteren: Ein Flussgott von Oskar Rühm (oben) und ein Medaillon der Königin Carola mit der Allegorie der Stadt Dresden (Dresdensia) von Hans-Hartmann McLean (unten). Beide Figuren dienen auch als Postkartenmotiv.

Carolabrücke nach historischem Vorbild und ihr Rückhalt in der Bevölkerung

Das historische Vorbild genießt weitreichende Unterstützung

Kurz nach dem Einsturz der zweiten Carolabrücke verbreiteten sich Bilder ihrer Vorgängerin in den Medien und Sozialen Netzwerken. Begleitet wurde diese Neugier von der Idee, beim kommenden Neubau auf das Brückenvorbild von 1895 zurückzugreifen. Dieser Wunsch der Dresdner Bevölkerung äußerte sich schon bald in drei Petitionen, darunter jene von Lennart Rademacher und Philipp Bammes, den Gründungsmitgliedern der Initiative Carolabrücke e.V. Die ca. 26.000 Unterschriften sind ein starkes Signal für eine dritte Carolabrücke, die sich gestalterisch an der ersten, historistischen Elbquerung, orientiert.

Die Petitionen

  • Lennart Rademacher: Wiederaufbau der Carolabrücke nach historischem Vorbild. openPetition: 2755 Unterschriften.
  • Philipp Bammes: Wiederaufbau der Carolabrücke nach historischem Vorbild. e-Petition auf dresden.de: 8432 Unterschriften.
  • Susan Reif: Wiederaufbau der historischen Carolabrücke wie vor 150 Jahren. change.org: 16051 Unterschriften.

Insgesamt erzielten drei Petitionen für einen historisierenden Wiederaufbau 27.238 Unterschriften (Stand: 02.03.2026)

Die Petition von Philipp Bammes wird derzeit vom Petitionsausschuss der Stadt Dresden bearbeitet.

Interesse und Zustimmung bleiben bestehen…

Im Januar und März 2025, vier bzw. sechs Monate nach dem Einsturz der zweiten Carolabrücke, führten reichweitenstarke Dresdner Medien, Dresdner Neueste Nachrichten (DNN) und Sächsische Zeitung (SZ) Leserumfragen durch. Die Fragen: „Wie stellen Sie sich den Nachfolger der Carolabrücke vor?“ und „In welcher Art und wie schnell sollte die Carolabrücke in Dresden ihrer Meinung nach wieder aufgebaut werden?“. In beiden Umfragen wurde ein Neubau nach historischem Vorbild von 1895 mit 41% und 58% deutlich favorisiert.

Die Ergebnisse der DNN-Umfrage im Kreisdiagramm. Die Umfrage besitzt einen humoristischen Unterton und zeigt dennoch klare Unterstützung einer Brücke nach historischem Vorbild. Grafik: Initiative Carolabrücke.

Glossar

Erklärung wichtiger Begriffe der aktuellen Diskussion

Ersatzneubau – eine Brücke gilt dann als Ersatzneubau, wenn sie im Rahmen eines vereinfachten Genehmigungsverfahrens zur Umsetzung gelangt, was sich der Stadtrat und die Stadtverwaltung für den Neubau der Carolabrücke wünschen. Dieser rechtliche Weg ist nur bei Schäden eines Vorgängerbauwerks möglich und bringt konstruktive sowie gestalterische Einschränkungen mit sich. Wie eine planungsrechtliche Stellungnahme im Auftrag der Initiative Carolabrücke e.V. gezeigt hat, ist eine Carolabrücke nach historischem Vorbild trotz jener Einschränkungen als Ersatzneubau möglich.

Hilfsbrücke – eine temporäre Brücke, meistens aus vorgefertigten Elementen zusammengesetzt. Wird v.a. für die Aufrechterhaltung des Verkehrsflusses während der Baumaßnahmen an Flussquerungen verwendet, so z.B. 2015 eine Hilfsbrücke an der Albertbrücke für Fußgänger und Radfahrer. Die Fachfirma Systec erstellte 2025 das Konzept für eine mögliche Dresdner Hilfsbrücke an der Stelle der eingestürzten Carolabrücke. Der Stadtrat verfolgte die Idee einer Hilfsbrücke nicht weiter.

Historisierend – wenn von einer „historisierenden“ Gestaltung bzw. einer Gestaltung nach historischem Vorbild gesprochen wird, ist eine Orientierung an der Ästhetik eines alten Bauwerks unter Berücksichtigung moderner verkehrstechnischer oder städtebaulicher Erfordernisse gemeint.

Plan C – studentischer Entwurf einer neuen Carolabrücke als Bogenbrücke aus Stahlelementen von Hans Bolz, Marc Lilienthal, Ferdinand Schulte zu Sodingen und Linus Witzel. Sieger des Studierendenwettbewerbs der TU Dresden, allerdings kein Bestandteil der offiziellen Planungen der Stadt.

Planungsbüros bzw. Planungsteams – in einem Auswahlverfahren wurden vier Planungsteams, bestehend aus Ingenieur- und Architekturbüros, von der Stadt mit der Ausarbeitung von Entwürfen einer neuen Carolabrücke beauftragt: FHECOR Deutschland GmbH mit dem Partner Planungsgesellschaft mbH TSSB (1), Ingenieurbüro Grassl GmbH (2), Leonhardt, Andrä und Partner, beratende Ingenieure VBI AG (3) und Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH (4). Die Entwürfe sollen im Mai 2026 vorliegen.

Planfeststellungsverfahren – ein rechtliches Verfahren für die Genehmigung von Brückenneubauten, das eine umfassende Berücksichtigung der Belange aller Betroffenen vorsieht.

Sandstein – ein in Dresden verbreitetes Material mit lokaler Tradition. Im Brückenbau wird er als Verkleidung zu dekorativen Zwecken genutzt, während die entsprechenden Brücken selbst meistens aus Beton bestehen. Das gilt auch für die Bogenbrücken der Innenstadt.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Eine Übersicht zeitgenössischer Texte und aktueller Literatur für weitere Forschung

Quellen

Zeitgenössische Schriftzeugnisse über die Königin-Carola-Brücke umfassen Fachpublikationen, lokalgeschichtliche Betrachtungen und Zeitungsartikel (wie z.B. die in der SLUB digitalisierten Dresdner Nachrichten). Besonders hervorzuheben ist ein Fachaufsatz Hermann Klettes zur Aufgabenstellung und zum Baugeschehen an der Carolabrücke sowie die Stadtchronik des Archivars Otto Richter, die den Brückenbau in die Geschichte der Dresdner Stadterweiterung einordnet.

Klette, Hermann: Die Königin-Carola-Brücke in Dresden. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen. Heft 5 (1897), Sp. 313–338.

Otto Richter: Geschichte der Stadt Dresden in den Jahren 1871 bis 1902. Werden und Wachsen einer deutschen Großstadt. Dresden 1903.

Sekundärliteratur

Die Königin-Carola-Brücke wird in journalistischen Recherchen, Ausstellungskatalogen und lokalgeschichtlichen Publikationen, in übergreifenden Betrachtungen Dresdner Brücken und insbesondere im Zusammenhang mit der zweiten Carolabrücke (1971) thematisiert. Trotz einer kulturgeschichtlichen Bedeutung wurde sie nach unserer Kenntnis bislang noch nicht in einer eigenständigen geschichts- oder kunstwissenschaftlichen Publikation betrachtet, u.a. aber hier:

Fiedler, Erich (2008): Brücken der Stadterweiterung. Albertbrücke – Carolabrücke – Flügelwegbrücke. In: Hans-Peter Lühr (Hg.): Dresdner Elbbrücken in acht Jahrhunderten. Dresden (= Dresdner Hefte 26.2), S. 51-60.

Förster, Rudolf (1984): Dresden. Geschichte der Stadt in Wort und Bild. Berlin. (Enthält Abbildungen von Gemälden, die die Carolabrücke zum Gegenstand haben).

Hilbert, Peter (2014): Dresdner Brücken. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dresden (=edition Sächsische Zeitung).

Hilbert, Peter (2025): Der Brückeneinsturz – Dramatische Ereignisse, Geschichte und Geschichten rund um die Carolabrücke und andere Dresdner Elbebrücken. Dresden. [Dies ist eine Neuerscheinung, die unsere Initiative noch nicht konsultiert hat. Das Werk wird derzeit von der SLUB erworben]

Marx, Harald/Friedrich, Hans (2024): Entlang der Elbe. Das alte Sachsen in Gemälden der Sammlung Wolfgang Donath. Markkleeberg. (Enthält Abbildungen von Gemälden der Sammlung, die die Carolabrücke zum Gegenstand haben)

Sauer, Christoph/Dietze, Claudia (2025): Fundstück aus dem ISGV – im September 2025. Das Auf und Ab der Dresdner Carolabrücke. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hg.): Aktuelles. Fundstücke des Monats. (Online verfügbar unter https://www.isgv.de/aktuelles/fundstuecke/details/fundstueck-aus-dem-isgv-im-september-2025, letzter Abruf: 09.12.2025)

Scheerer, Silke et al (2025): Die wechselvolle Geschichte der Carolabrücke in Dresden. In: Marx, Steffen (Hg.): Tagungsband 34. Dresdner Brückenbausymposium. Dresden, S. 15-33 (Online verfügbar unter https://doi.org/10.25368/2025.054, letzter Abruf 09.12.2025).